Mittwoch, 13. Juli 2016

Drei Fragen an Ulrich Schreyer vom Diakoniewerk Arbeit & Kultur: Brauchen wir einen sozialen Arbeitsmarkt?

Ulrich Schreyer
Sollte es nicht das Ziel sein, alle arbeitsfähigen Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen?

Unabhängig von der jeweiligen Konjunktur haben wir heute bei uns eine verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit. Bundesweit sprechen wir hier von etwa drei Millionen Menschen. Das sind Menschen mit sogenannten Vermittlungshemmnissen. Das können fehlende Schulabschlüsse oder fehlende Sprachkenntnisse sein. Das kann aber auch ein Suchtproblem oder eine psychische Erkrankung sein. Solche Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt in der Konkurrenz um hoch-qualifizierte Arbeitsplätze keine Chance haben, finden bei uns sinnvolle Arbeit, eine sinnvolle Tagesstruktur und Würde. Da geht es nicht nur um Geld.

Werden hier Arbeitgeber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen?

Hier geht es um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und um die langfristige Sicherung des sozialen Friedens. Hier wird niemand aus der Verantwortung entlassen, sondern alle müssen sich ihrer sozialen Verantwortung stellen, auch die Unternehmer, die heute unter einem starken internationalen Konkurrenzdruck stehen, aber nicht nur sie.

Wer soll den sozialen Arbeitsmarkt finanzieren?


Machen wir uns nichts vor. Es ist doch nicht so, als wenn Arbeitslosigkeit nicht auch finanziert werden müsste. Also finanzieren wir doch lieber Arbeit.

Dieser Text erschien am 6. Juli in der Neuen Ruhr Zeitung

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