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Ein Zeitsprung am Kohlenkamp ider: "Es war noch nie so schön, in Mülheim einzukaufen!"

Hanns Holthaus lässt uns mit seinem Foto, das in der 1968 in der November-Ausgabe des Illustrierten Stadtspiegels erschien auf den Kohlenkamp zwischen Schloß- und Leineweberstraße schauen. Das Bild diente damals der Illustration eines Beitrages, den der Journalist Franz Rolf Krapp über die "neue Einkaufsstadt Mülheim" geschrieben hat. Damals machte sich Mülheim auf, in seiner Stadtmitte eine autofreie Fußgängerzone, samt neuer Beleuchtung, neuer Blumenkübel und Blumenbeete und einer Tiefgarage einzurichten.

Es sei kaum vorstellbar, dass die Fußgänger, "eine ganze Straße von einem Schaufenster zum anderen" für sich hätten, meinte Krapp. Der mittelständische Einzelhandel Mülheims, so prognostizierte er damals, brauche die Konkurrenz mit den Nachbarstädten nicht zu scheuen. "Ein wahres Wort. Kaufe vor Ort!" empfahl er seinen Lesern und kam zu dem fast überschwänglichen Ergebnis: "Noch nie hat es so viel Freude gemacht, in der Mülheimer Innenstadt einzukaufen. Den Mülheimer einen Einkauf in der Innenstadt zu empfehlen hieße: Wasser in die Ruhr zu gießen!"

Tatsächlich kannten die Einzelhändler in der Mülheimer Innenstadt des Jahres 1968 weder große Einkaufszentren mit kostenfreien Parkplätzen, noch leerstehende Ladenlokale oder die virtuelle und zugleich reale Konkurrenz eines Internethandels. "Auch mit dem Auto kann man fast vor die Ladentheke fahren. Denn neben der geplanten Unterflurgarage, die am Rathausmarkt bereits im Bau ist, gibt es in der Innenstadt auch genug Parkuhren", stellte der Innenstadt vor 50 Jahren fest. Das Stadtcafé Sander und der Damen- und Herren-Wäsche-Anbieter Body & Beach, als Nachfolger von Herta Oeler hat die wirtschaftlichen und sozialen Stürme der letzten fünf Jahrzehnte am Kohlenkamp überstanden. Der Zigarrenladen Wolsdorff ist inzwischen von der Ecke Schloßstraße/Kohlenkamp ins Forum gezogen. Händler, wie der Geschirr- und Besteck-Anbieter WMF, der Uhrmacher und Augenoptiker Hemsing, Radio Neumann, das Haushaltswarengeschäft Kocks und Herstein (an der Leineweberstraße) oder die Modehäuser Lehnhoff und Zickenheiner, in denen man 1968 am Kohlenkamp einkaufen konnte, sind für die Innenstadt Vergangenheit. Der Schloßtreff, zwei neue Modeanbieter, ein Friseur und die örtliche Verbraucherzentrale (an der Leineweberstraße/Ecke Kohlenkamp sorgen heute dafür, dass sich die Ladenleerstände zumindest in diesem Teilbereich der Stadtmitte in überschaubaren Grenzen halten. Und auch heute gilt angesichts vieler engagierter Einzelhändler in der Innenstadt Franz Rolf Krapps Aufforderung: "Ein wahres Wort. Kaufe vor Ort!"  

Dieser Text erschien am 17. September 2018 in der NRZ

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