Freitag, 26. Mai 2017

Der neue Superintendent Gerald Hillebrand setzt auf Dialog

Gerald Hillebrand bei seiner Vorstellung am Rednerpult der
Kreissynode (Foto Annika Lante/Kirchenkreis an der Ruhr)
Pfarrer Gerald Hillebrand ist neuer Superintendent des evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr und vertritt damit 47 000 evangelische Christen in Mülheim. Der Geistliche tritt die Nachfolge von Helmut Hitzbleck an, der sich Ende März in den Ruhestand verabschiedete, und führt dessen Amtszeit zunächst bis zum Herbst 2020 fort. 31 von 58 Mitgliedern der Kreissynode stimmten für Hillebrand, 25 für seine Mitbewerberin, Pfarrerin Dagmar Tietsch-Lipski.

Worin sehen Sie Ihre erste Aufgabe im neuen Amt?
Wir brauchen eine bessere Verschränkung und Kommunikation zwischen den Gemeinden und dem Kirchenkreis. Außerdem müssen wir Familien in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen stärken. Auch die ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche sollte verstärkt werden. Ich denke zum Beispiel an die Begleitung von Trauernden, aber auch an die gemeinsame Nutzung von Gebäuden.

Wird die Kirche künftig eher zentral oder dezentral organisiert sein?
Man sollte den Kirchenkreis nicht gegen die Gemeinden ausspielen. Wir brauchen beides. In den Gemeinden erleben Menschen Gemeinschaft, Seelsorge und Glaubensverkündigung, Auf der Kirchkreisebene können wir übergemeindliche Arbeit, wie die der Beratungsstellen, der Diakonie oder der Familienbildungsstätte leisten. Künftig wird man aber im Bereich der Kirchenverwaltung auch über eine Zusammenarbeit mit benachbarten Kirchenkreisen nachdenken müssen.

Bleiben Sie als Superintendent auch Pfarrer in Broich?
Ja, ich bleibe Pfarrer in Broich, werde dort aber von einem Kollegen oder einer Kollegin entlastet, weil ich künftig 75 Prozent meiner Arbeitszeit auf die Aufgaben als Superintendent verwenden werde.

Wie sehen Sie Ihre neue Aufgabe in der Stadtgesellschaft?
Als Superintendent werde ich auf der Basis der christlichen Botschaft ganz klar Position beziehen, wenn es zum Beispiel um die Fragen geht, wie wir in einer multikulturellen Gesellschaft einen respektvollen Dialog führen können, der dazu beiträgt, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Religionen kennenlernen und in ihrer Verschiedenheit akzeptieren, so dass sie mögliche Ängste voreinander abbauen können. Außerdem werde ich mich einbringen, wenn es darum geht, sozial benachteiligten Menschen die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen.

Wo und wie sehen Sie die evangelische Kirche in zehn Jahren?
Ich hoffe, dass wir als evangelische Kirche erkennbar bleiben, und nicht in der Nische der Freikirchen verschwinden und wach bleiben für den gesellschaftlichen Wandel und die Aufgaben, die sich daraus für uns ergeben.

Gerald Hillebrand wurde vor 60 Jahren in Wuppertal geboren. Durch sein ehrenamtliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit seiner Heimatgemeinde wuchs er in die evangelische Kirche hinein. „In einer christlichen Gemeinschaft getragen und geborgen zu sein und mit anderen Menschen die Hoffnung meines Glauben teilen zu können, prägt mein Leben“, sagt der an Hochschulen in Wuppertal und Bochum ausgebildete Theologe.
Gerald Hillebrand hat zunächst in Wuppertal und seit 1993 in ­Broich als Pfarrer gearbeitet. Zuletzt war Hillebrand nebenamtlich auch Diakoniebeauftragter des Kirchenkreises An der Ruhr. 

Der bekennende Familienvater und Großvater, der seit 1979 mit seiner Frau Dorothea verheiratet ist, genießt die Geselligkeit im Familien- und Freundeskreis, reist gerne und liest in der Freizeit Kriminalromane und historische Bücher.



Dieser Text erschien am 22. Mai 2017 in NRZ &WAZ

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