Eine Hilfe für die fremden Helfer: Sylvia Eberlein von der Alzheimer-Gesellschaft wird im Mai polnische Betreuungspersonen fortbilden

Gemeinsam für eine bessere Pflege von demenziell veränderten Menschen
(von links) Axel Matheja, Margarete Illigens und Sylvia Eberlein.
Wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt, kann das ein Ehe- und Familienleben aus den Fugen geraten.

Nach Angaben des Servicezentrums Demenz Westliches Ruhrgebiet, gibt es in der 172 000-Einwohner-Stadt derzeit rund 3600 Demenzerkrankte. Hinzu kommt, dass rund 22 000 Mülheimer über 75 Jahre alt sind und deshalb ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

Die örtliche Alzheimer-Gesellschaft unterstützt Demenzerkrankte und ihre Angehörigen. Ihr Vorstandsmitglied Sylvia Eberlein, die hauptberuflich in der Pflegedienstleitung des ambulanten Pflegedienstes Pflegepartner arbeitet, kümmert sich jetzt im Auftrag der Alzheimer-Gesellschaft um ein sehr spezielles, aber wichtiges Fortbildungsprogramm. Mitte Mai fliegt sie nach Breslau, um dort polnische Betreuungspersonen auf ihren Einsatz in Deutschland vorzubereiten.

Möglich macht das die Pflegevermittlung Brinkmann, die mit mehreren Pflegediensten in Polen zusammenarbeitet und aktuell 50 polnische Betreuungspersonen begleitet, die sich in Mülheimer Familien um demenzkranke Angehörige kümmern.

„Das sind Frauen und Männer, die keine Altenpflegeausbildung haben, dafür aber Lebenserfahrung und familiäre Pflegeerfahrungen mitbringen“, berichtet Axel Matheja. Der unter anderem in der Altenpflege-Fortbildung aktive Psychologe ist der für Essen und Mülheim zuständige Standortleiter der Brinkmann-Pflegevermittlung. Er geht davon aus, dass derzeit 200 polnische Betreuungspersonen legal, also kranken- und pflegeversichert, in Mülheimer Familien Pflegearbeit leisten. Die Zahl der in Mülheim illegal beschäftigten Betreuungspersonen aus Polen schätzt er auf mehrere 100.

Doch Matheja warnt vor einer solch illegalen Beschäftigung: „Wenn der Zoll dahinter kommt, kann das sehr teuer werden“, sagt er.

Die Betreuungspersonen, die er aus Polen nach Mülheim vermittelt und sie auch als Ansprechpartner vor Ort begleitet, sind während ihres Einsatzes als Arbeitnehmer bei polnischen Pflegediensten angestellt. Ihre deutschen Sprachkenntnisse sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. „Bevor ich eine polnische Betreuungsperson in einen Mülheimer Haushalt vermittle, besuche ich die Familie und kläre in einem Gespräch den Bedarf und die Rahmenbedingungen. Gibt es einen eigenes Zimmer für die Betreuungsperson? Wie wichtig sind im jeweiligen Einzelfall ihre deutschen Sprachkenntnisse?“, beschreibt Matheja seine Arbeit.  Beim ersten Gespräch klärt Matheja die Gast- und Arbeitgeberfamilien auch darüber auf, dass für die polnischen Betreuungskräfte in ihrem Haushalt eine 40-Stunden-Woche gilt und der Anspruch auf eine entsprechende Freizeit gilt. Außerdem pflegen die Betreuungspersonen im Tandem. Das bedeutet: Zwei Frauen oder Männer wechseln sich, jeweils nach zwei Monaten, in der Betreuungsarbeit ab.

Warum entscheiden sich Familien für eine Betreuungsperson aus Polen? „Weil das mit 2500 Euro pro Monat für sie einen Tick preiswerter ist, als ihre Angehörigen aus der Familie in ein Pflegeheim oder in eine Demenz-Wohngruppe zu geben und natürlich weil der demenziell veränderte Angehörige so in seiner gewohnten häuslichen Umgebung bleiben kann“, weiß Matheja aus seinen vielen Gesprächen mit Angehörigen.

Mit Sylvia Eberlein ist er sich darin einig. „dass die Betreuungspersonen aus  Polen die professionelle Behandlungspflege durch einen ambulanten Pflegedienst nicht ersetzen können, weil sie nur in der Grundpflege Hand anlegen dürfen.“

Matheja, der auf Eberleins Einladung im Dezember 2017 dem Runden Tisch Demenz, an dem Fachleute aus Pflegeheimen, Pflegediensten, aus der  Stadtverwaltung, den örtlichen Kliniken und aus den Krankenkassen sitzen, über seine Erfahrungen berichtete, arbeitet inzwischen am Runden Tisch selbst mit. Eberleins Angebot einer Fortbildung für polnische Betreuungspersonen hat er ebenso gerne an, wie die polnischen Pflegediensten, mit denen er kooperiert.
„Ich möchte den Betreuungskräften Ängste vor ihrer Arbeit mit den Demenzkranken nehmen und ihnen einige Grundregeln für den Umgang mit ihnen an die Hand geben. Womit muss ich bei Demenzkranken rechnen? Wie kann ich ihre Körpersprache lesen? Und wie kann ich ihnen in der Sterbephase helfen?“, erklärt Eberlein  das Ziel ihrer auf jeweils vier Stunden angelegten Fortbildungsarbeit, die kein Ausbildungsersatz sein kann, sondern nur eine Vorbereitung und Handreichung sein will.“

Info: „Auch ich kenne einige Angehörige demenzkranker Menschen, die gute Erfahrungen mit Betreuungspersonen  aus Polen gemacht haben“, sagt Margarete Illigens, die selbst ihren demenzkranken Ehemann bis zu seinem Tod gepflegt hat und heute für die Alzheimer-Gesellschaft einen monatlichen Stammtisch für Demenzkranke und ihre Angehörigen anbietet. Sie hat aber auch davon erfahren, „dass es zu Schwierigkeiten kommen kann, wenn die Chemie zwischen den Beteiligten nicht stimmt oder auch dann, wenn es zu Eifersüchteleien rund um den demenzkranken Angehörigen kommt.“

Margret Illigens Stammtisch beginnt jeweils am ersten Mittwoch des Monats um 14.30 Uhr in der Evangelischen Familienbildungsstätte am Scharpenberg 1b.
Rat und Hilfe finden Demenzangehörige bei der örtlichen Alzheimer-Gesellschaft. Informationen dazu findet man im Internet unter: www.alzheimer-muelheim.de Die Beratungsstelle der Alzheimer-Gesellschaft ist am Tourainer Ring 4 und telefonisch unter der Rufnummer 0208-99 107 670 sowie per Mail an: info@alzheimer-muelheim.de erreichbar.

INFO: „Auch ich kenne einige Angehörige demenzkranker Menschen, die gute Erfahrungen mit Betreuungspersonen  aus Polen gemacht haben“, sagt Margarete Illigens, die selbst ihren demenzkranken Ehemann bis zu seinem Tod gepflegt hat und heute für die Alzheimer-Gesellschaft einen monatlichen Stammtisch für Demenzkranke und ihre Angehörigen anbietet. Sie hat aber auch davon erfahren, „dass es zu Schwierigkeiten kommen kann, wenn die Chemie zwischen den Beteiligten nicht stimmt oder auch dann, wenn es zu Eifersüchteleien rund um den demenzkranken Angehörigen kommt.“
Margret Illigens Stammtisch beginnt jeweils am ersten Mittwoch des Monats um 14.30 Uhr in der Evangelischen Familienbildungsstätte am Scharpenberg 1b.

Rat und Hilfe finden Demenzangehörige bei der örtlichen Alzheimer-Gesellschaft. Informationen dazu findet man im Internet unter: www.alzheimer-muelheim.de Die Beratungsstelle der Alzheimer-Gesellschaft ist am Tourainer Ring 4 und telefonisch unter 0208-99 107 670 sowie per Mail an: info@alzheimer-muelheim.de erreichbar. 

Dieser Text erschien am 12. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

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