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Lebendige Kunst

Wenn man Büsten und Skulpturen sieht wie jetzt beim Jahresempfang der Künstlergruppe AnDer, denkt man an einen im Schweiße seines Angesichts schleifenden und meißelnden Bildhauer. Doch mit dieser Kunstvorstellung ist man heute von gestern. Das musste ich am Samstag einsehen, als ich den ungewöhnlichen Ausstellungsraum der AnDer(en) betrat. Denn in der Saarner Firma Ego3D kommen Büsten und Skulpturen in jeder Größenordnung aus dem computergesteuerten 3D-Drucker. Technik ersetzt die Kunst?! Unternehmer Robert Fischer, der sich in seinem früheren Berufsleben als Portraitfotograf ein Bild von seinen Auftraggebern machte, widerspricht vehement. Auch er versteht sich als Künstler, der eben mit digitalen Fäusteln, Meißeln und Winkelschleifern ans Werk geht, statt im analogen Sinne Hand anzulegen. Insofern zeigt und die Kunst als Lehrmeisterin, dass unser Leben ein Gesamtkunstwerk ist, dem wir, ob analog oder digital, aber immer ganz menschlich den für uns richtigen Schliff geben müssen, wohl wissend, dass die eine oder andere Schramme unvermeidlich ist.

Dieser Text erschien am 3. Februar 2020 in der NRZ

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