Direkt zum Hauptbereich

Stefans Erben

Am zweiten Weihnachtstag feiert die katholische Kirche den Namenstag ihres ersten Märtyrers. Stefanus war ein Zeitgenosse Jesu, der sich als Bußprediger und Diakon in der Jerusalemer Urgemeinde einen Namen, aber mit seinem eindeutigen Bekenntnis zu Jesus von Nazareth als dem Sohn Gottes viele Feinde machte. Der biblischen Überlieferung folgend sagte Stephanus in seiner Verteidigungsrede: Ich sehe den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Und er soll noch während seiner anschließenden Steinigung im Angesicht seiner Peiniger und seines Todes gebetet haben: "Vater vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ 

Früher wie heute mussten Menschen ihr Leben lassen, weil sie ihren christlichen Glauben beharrlich und unbeugsam bezeugten und ihre Zeitgenossen mit unbequemen Wahrheiten konfrontierten. Einer von ihnen war der als Sohn eines Volksschullehrers in Mülheim aufgewachsene und zur Schule gegangene Präses der Katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands Otto Müller (1870-1944). Zusammen mit Nikolaus Groß und Bernhard Letterhaus bildete er im Dritten Reich die Spitze der KAB-Zentrale im Kölner Ketteler-Haus. Mit ihrer christlich und sozial geprägten Ethik gerieten Müller, Groß und Letterhaus zwangsläufig in einen Gegensatz zur menschenverachtenden Ideologie des NS-Regimes. Deshalb schlossen sie sich als Kölner Kreis dem sogenannten Kreisauer Kreis um den Jeusiten-Pater Alfred Delp und den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler an Müller, der als junger Priester und Mitgründer des Volksvereins für das katholische Deutschland zu den sogenannten roten Ruhr-Kaplänen gehört und seit 1895 an der Spitze des Verbandes der katholischen Arbeitervereine gestanden hatte, wurde, ebenso wie seine Mitstreiter nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet. Während Letterhaus und Groß nach einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof hingerichtet wurden, starb Müller noch während der Haft in Berlin.


Heute erinnert ein Stahlkreuz vor der Dümptener Barbarakirche an die unerschrockenen Glaubenszeugen aus der Zeit der Hitler-Diktatur. Auch in einem Fenster der Heißener Josephskirche ist Otto Müller verewigt. 



Zurecht wies Mülheims Stadtdechant Michael Janßen in seiner heutigen Predigt darauf hin, dass die Christen inzwischen, die weltweit am häufigsten verfolgte Religionsgemeinschaft sind. Das Hilfswerk Open Doors spricht davon, dass weltweit 200 Millionen Christen in über 100 Ländern aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden.

Es stimmt nachdenklich und macht traurig, dass auch 300 Jahre nach der Aufklärung und 70 Jahre nach der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen das Menschenrecht der freien Religionsausübung immer noch nicht für alle Menschen selbstverständlich ist. Dabei hat uns Gotthold Ephraim Lessing mit seiner Ringparabel doch schon im 18. Jahrhundert den Weg zur religiösen und geistigen Toleranz gewiesen. 

Mehr zu Open Doors

Zur Ring-Parabel

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…