Am letzten Augustwochenende verwandelte sich das Dorf Saarn zu einem automobilen Freiluftmuseum. 80 alte Autos mit dem Kennzeichen "H" für "historisch" waren beim 13. Oldtimer Cup der Werbegemeinschaft Saarn am Start.
Warum fährt man heute in Zeiten von Hightech Automobilen mit Fahrzeugen aus Großvaters und Großmutters Zeiten, die weder einen Sicherheitsgurt, noch eine Servolenkung, geschweige denn einen Airbag oder einen Bordcomputer kennen, bis zu 15 Liter auf 100 Kilometern schlucken und am liebsten nicht schneller als 70 oder 80 Kilometer pro Stunde fahren? Wer mit den Oldtimerpiloten und Pilotinnen ins Gespräch kommt, hört sie immer wieder von der "Low Tech", die den Autofahrer oder Autofahrerin "nicht entmündigt" und von "der Seele" der alten Fahrzeuge schwärmen. Ob Scheinwerfer Kühlerhaubenfigur, Lenkrad oder Sitzpolster. Die Automobile von Annodazumal erscheinen auf den ersten Blick wie ein individueller Kontrapunkt zu den hochgezüchteten und windschnittigen Fahrzeugen heutiger Tage.
Eines der ältesten Fahrzeuge, das beim 13 seiner Oldtimer Cup mit von der Partie war, war der einem Mülleimer Unternehmer gehörende Adler Favorit aus dem Baujahr 1930. Mit einem vergleichbaren Fahrzeug, einem Adler Standard 6, war die Mülheimer Industriellentochter Clärenore Stinnes zwischen 1927 und 1929 um die Erde gefahren. Damals war das Autofahren noch der pure Luxus und ein Abenteuer.
Um 1930 gab es in Mülheim an der Ruhr gerade einmal rund 1750 Kraftfahrzeuge. Heute sind es rund 105.000. Das sagt alles über die Massenmotorisierung, die hierzulande mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren ins Rollen kam. Mülheim an der Ruhr gehört heute zu den Städten mit der größten Autodichte in Deutschland. Heute erscheint uns ein Leben ohne Automobilität unvorstellbar, obwohl das Inkrafttreten der ersten deutschen Straßenverkehrsordnung und die Einführung einer Führerscheinpflicht gerade einmal 120 Jahre zurückliegen. Genauso lange ist es auch her, dass sich die Industriellen Emil Kirdorf und Hugo Stinnes als erste Mülheimer ein Automobil anschafften, wie wir seit Marco Moliks jüngstem Vortrag über die Geschichte der Broich-Speldorfer Wald- und Gartenstadt wissen.
Zu diesem Zeitpunkt lag die erste Autofahrt der Weltgeschichte gerade mal 20 Jahre zurück. Damals, anno 1886, hatte Carl Benz, seinen Patent-Motorwagen, zur ersten offiziellen Probefahrt auf die Reise geschickt. Dass sich das Auto langfristig nicht gegen die Pferdroschke durchsetzen werde, war nur einer von vielen Irrtümern des letzte deutsche Kaiser Wilhelm II.
Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass sich auch schon unter den ersten Automobilen solche mit Elektromotoren befanden, die sich aber aufgrund ihres begrenzten Radius nicht gegen die Öl- und Benzinmotoren durchsetzen konnten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen