Dienstag, 16. Juli 2013

Warum Anwohner des Saarner Aubergs um das dortige Naturschutzgebiet fürchten

„Hände weg vom Auberg.“ Mit diesem Slogan kämpften Bürger in den 70er Jahren gegen die Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen im Saarner Naturschutzgebiet. Jetzt ist dieser Slogan wieder plakatiert worden. Denn die Bauvoranfrage für einen Reiterhof mit neuem Wohnhaus, Reithalle und Stallungen auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes an der Voßbeckstraße, versetzt Anwohner rund um die Voßbeckstraße, den Aubergweg und den Buteweg in Unruhe.


Ein Reiterhof auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes, das der Thyssen-Stiftung gehört? Das hört sich eigentlich nicht schlecht an. Doch rund 40 Anwohner, die sich als Bürgerinitiative auch schon mit ihren Anfragen an die Ratsfraktionen und die zuständige Bezirksvertretung 3 gewandt haben, fürchten vor allem zwei Dinge:

Der Reiterhof mit seinen bis zu 48 Pferden könnte zu einem Gewerbebetrieb werden, der mit seinem Zulieferverkehr die sehr enge Voßbeckstraße und einen kleinen Feldweg, der von der Solinger Straße zur Voßbeckstraße führt, überlasten und das Naturschutzgebiet am Auberg nachhaltig beeinträchtigen könnte. Noch schwerer wiegt die Befürchtung, der Reiterhof könne nur ein Anfang für die Ausweisung neuer Bauflächen darstellen.

Bernd Heimbach, Anwohner der Voßbeckstraße, und seine Nachbarn wollen sich auf jeden Fall dafür stark machen, „dass der Auberg als Perle der Naherholung erhalten bleibt“ und dass sich im Rathaus die Einsicht durchsetzen möge, „dass Landschaftsschutz und Gewerbe in dieser vorgefundenen Form nicht zusammengehen, nicht genehmigt werden sollten und uns allen nicht durchgehen kann.“

Unterstützt wird die neue Bürgerinitiative am Auberg, die ausdrücklich das Gespräch mit allen Fraktionen sucht, von den Grünen und von der MBI. „Nicht der Pferdehof an sich ist das Problem, sondern die geplante Größenordnung“, betont der grüne Ratsherr Hubert Niehoff. Sein Ratskollege Lothar Reinhard warnt mit Blick auf das Landschaftsschutzgebiet davor, „dass da was Überdimensioniertes hingesetzt werden könnte.“

Jürgen Liebich von der Bauaufsicht und der Chef des Umweltamtes Jürgen Zentgraf halten den Reiterhof am Auberg für „grundsätzlich genehmigungsfähig.“ Sie weisen darauf hin, dass die Umbaumaßnahmen nur das Grundstück des ehemaligen Fichtenhofes und nicht das Naturschutzgebiet betreffen. Die Ausweisung weiterer Bauflächen am Auberg schließt Liebich aus. Auch die Signale, die er bisher von der Landwirtschaftskammer bekommen hat, die das Projekt Reiterhof am Auberg derzeit auf seine wirtschaftliche und ökologische Verträglichkeit prüft, wertet Liebich als positiv. Denn für seinen Kollegen Zentgraf steht fest, „dass im Naturschutzgebiet nur eine landwirtschaftliche Nutzung genehmigt werden kann.“ Dazu könnte, wenn die Landwirtschaftskammer grünes Licht gäbe, auch ein Reiterhof gehören, auf dem das Futter für die Pferde selbst produziert würde und nicht angeliefert werden müsste.

Die Frage des Zugangsverkehrs müsste dann aber noch einmal im Rahmen der Bauplanung geprüft werden. Sollte die Bauvoranfrage positiv beschieden werden, könnte der Investor innerhalb von zwei Jahren einen Bauantrag stellen.

Mit Blick auf den Zugangsverkehr könnte sich Liebich vorstellen, dass die Besucher den Pferdehof über die Voßbeckstraße und die Pferdetransporter über den dann noch zu asphaltierenden Feldweg von der Solinger Straße aus erreichen könnten. Der über den Auberg und damit direkt durch das Naturschutzgebiet führende Feldweg könnte dann auch durch eine Schranke und entsprechende Beschilderung vor ungewünschtem Zugangsverkehr geschützt werden.

Dieser Text erschien am 5. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

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