Direkt zum Hauptbereich

Ein Stadtteil will seinen Anschluss nicht verlieren: Mintard kämpft darum, dass die Buslinie 132 erhalten bleibt

„Unsere Chancen sind nicht sehr groß, denn die Vorgabe der Politik für den Nahverkehr heißt Sparen“, sagt Wolfgang Budde vom Bürgerverein Wir in Mintard (WIM). Dennoch wollen seine Mitstreiter und er nichts unversucht lassen, um die Buslinie 132, die Mintard mit Mülheims Mitte verbindet, doch noch zu retten.


„Wir haben die Ratsfraktionen und die Ministerpräsidentin angeschrieben und werden am 2. Juli 2013 in der für die Linksruhr-Stadtteile zuständigen Bezirksvertretung 3 einen Antrag zum Erhalt der Linie stellen“, erklärt Budde das weitere Vorgehen. Immerhin haben 784 Bürger diese Forderung mit ihrer Unterschrift unterstützt, obwohl nur 675 Menschen in Mintard leben.

Aber die Buslinie 132 wird auch von vielen Ausflüglern benutzt, die mit ihr in Mülheims schönen Süden fahren. „Auch die sind sauer und vor allem die alten Menschen, die hier leben, wären bei einer Streichung der Linie aufgeschmissen“, schildert Budde die Situation vor Ort und erinnert daran, dass Mintard vor drei Jahren bereits seinen Schiffsanleger der Weißen Flotte verloren hat.

„Es kann doch nicht sein, dass ein kompletter Stadtteil von der Innenstadt und damit von allen wichtigen Verbindungen abgeschnitten wird“, schreibt die WIM in einem Brief an die Ratsfraktionen und an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Die Reaktionen stehen noch aus. Am kommenden Donnerstag treffen sich Budde und seine Mitstreiter von der WIM mit der CDU vor Ort. Deren Fraktionsvize Eckhart Capitain, der auch dem Aufsichtsrat der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) angehört, weiß um das Dilemma: „Wir werden Mintard nicht im Regen stehen lassen, aber wir müssen auch dafür sorgen, den Nahverkehr profitabler zu machen“, sagt er. Wie sein Stadtrats- und Aufsichtsratskollege Rolf Mühlenfeld von der SPD verweist Capitain darauf, dass die fraktionsinterne Meinungsbildung zur Nahverkehrsplanung noch nicht abgeschlossen ist und alle Eingaben geprüft würden. Mühlenfeld rechnet frühestens nach den Sommerferien mit einer klaren Positionsbestimmung und kann sich vorstellen, dass die Nahverkehrsplanung bis dahin auch von Seiten der Verwaltung in dem einen oder anderen Detail verändert werden könnte

Budde verweist mit Blick auf Mintard auf Zuzüge und Neubaumaßnahmen, die durch einen Wegfall der Linie 132 konterkariert würden. Capitain macht deutlich, „dass ich persönlich nicht mit Bürgern über einige 1000 Euro streiten möchte, die wir durch die Einstellung einer Linie sparen könnten, wenn wir gleichzeitig über 170 Millionen Euro in die Infrastruktur und die Anschaffung neue Straßenbahnen investieren.“

Weder Stadt noch MVG können genau sagen, wieviel man durch die Streichung der Linie 132 einsparen könnte, die pro Jahr rund 84?000 Kilometer fährt. Denn ein Teil ihres möglichen Wegfalls müsste durch die Buslinie 134 ausgeglichen werden. Sie soll im Stundentakt von Mintard über Saarn in den Speldorfer Hafen fahren. Dann müssten die Mintarder in Saarn in die Linie 133 umsteigen, um in die Innenstadt zu kommen. Eine solche Streckenführung und Taktung hielte der grüne MVG-Aufsichtsrat Axel Hercher für unwirtschaftlich. Seine Fraktionskollegen und er wollen sich auf jeden Fall mit den Mintardern zusammensetzen und deren Wünsche diskutieren. Hercher könnte sich eine Linie 134 vorstellen, die von Mintard über die rechte Ruhrseite in die die Innenstadt geführt würde und so den Teil der Linie 151 übernähme, der zwischen Menden und Stadtmitte entfallen soll. Lothar Reinhard von der MBI würde lieber die Linie 132 erhalten und bis Kettwig verlängern.

Dieser Text erschien am 29. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…