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Wenn wir gießen Seit an Seit

Politische Parteien genießen den zweifelhaften Ruf, zu viele Wasserköpfe zu produzieren, die Geld und Zeit kosten, ohne das Alltagsleben der Menschen spürbar zu verbessern.
Wenn man mal nicht weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis, ernennt einen Beauftragten oder gibt ein Gutachten in Auftrag. So was nennt man Symbolpolitik. „Schaut her, liebe Bürger und Wähler: Wir kümmern uns!“

Und jetzt kümmert sich die CDU um die Bäume, die uns lebensnotwendigen Schatten und Sauerstoff geben. Denn die Bäume leiden genauso, wie wir menschlichen Pflänzchen unter der extremen Sommerhitze.

Da greift man als Bürger doch gerne zu den Gießkannen, die die Christdemokraten unter das Mülheimer Volk bringen, um unseren Freund, den Baum zu bewässern.

Eigentlich hätte man so eine Aktion ja eher von den Grünen, als von den Schwarzen erwartet. Und es sollte mich deshalb gar nicht wundern, wenn sich jetzt so mancher Grüne in seinem Biogarten heimlich schwarz ärgert, dass die schwarzen Bahnstraßen-Nachbarn und nicht die eigene Partei auf so eine grüne Sommerloch-Idee gekommen ist, die bei dieser Affenhitze auf der Straße lag und nur aufgehoben werden musste.

Aber nur kein Neid, liebe Parteifreunde aller Farben. Es gibt keinen Grund, wie ein begossener Pudel auf die Blüten der politischen Konkurrenz zu schauen. So einem Baum ist es sicher egal, ob er aus einer schwarzen, grünen, gelben, blauen oder roten Gießkanne bewässert wird.

Also ran an die Gießkannen und Wasser marsch. Jeder Tropfen auf den heißen Stein, pardon auf den heißen Baum zählt. Das wäre doch mal eine ganz große Koalition wert in einer Stadt, der bekanntlich an vielen Stellen das Wasser, trotz Sommerhitze, bis zum Hals steht.

Das wäre doch zu schön, wenn wir uns in Mülheim alle mal das Wasser reichen könnten.

Dieser Text erschien am 28. Juli 2018 in der NRZ

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