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Wir leben in unerhörten Zeiten

Hört, hört!“ ruft die Opposition, wenn  sie die Aussagen der Regierung unerhört findet.

Heute kann einem beim Hören, Sehen und Lesen der Nachrichten  Hören und Sehen vergehen, wenn man von manchen politischen und wirtschaftlichen Volksvertretern und Verantwortungsträgern, die dieser Bezeichnung spotten, Aussagen zu hören bekommt, die man noch  vor einigen Jahren als Satire und absurdes Theater belacht hätte.

Kein Wunder, dass Mutter, die in ihren inzwischen zahlreichen Lebensjahren sich so manches anhören musste, was sie vorher nicht für möglich gehalten hätte, heute manches nicht mehr hören kann oder hören will.

Geradezu unerhört findet es Mutter, wenn sie am Morgen zum Beispiel mit knasternden und rauschenden Telefoninterviews oder mit musikalisch untermalten Radiotrailern belästigt wird, bei denen selbst gut hörenden Zuhören auch ohne Hochsommer der Schweiß ausbricht und sie darüber nachdenken, ob sie einen Akustiker oder einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, zwecks Anschaffung eines 

Hörgerätes konsultieren sollten. Wie gut, dass Mutter und ich noch unsere Zeitung haben, in der wir alles ganz ruhig Schwarz auf Weiß nachlesen können.

Dieser Text erschien am 26. Juli 2018 in der NRZ 

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