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Arbeit statt Arbeitslosengeld: Seit 50 Jahren sorgen die BBWE und ihre Vorgänger dafür, dass Arbeitslose eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen

800 Mülheimer bekommen bei der BBWE generationsübergreifend eine zweite Chance. Es sind Menschen, die einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen. Viele sind schon lange arbeitslos und müssen fachlich und mental erst wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

„Das gelingt uns in 80 bis 90 Prozent aller Fälle, auch wenn am Ende der von uns betreuten Qualifizierung nicht immer eine Arbeitsplatz, sondern vielleicht auch eine weitere schulische Qualifikation steht. Aber immerhin in 30 Prozent aller Fälle können wir Menschen unmittelbar in eine unbefristete Arbeitsstelle vermitteln“, erklärt der Geschäftsführer  der BBWE, Halil Gülkan.
Sein Stellvertreter, Stefan Trost, räumt  ein, dass eine Erfolgsquote von 80 bis 90 Prozent eine Abbrecherquote von 10 bis 20 Prozent bedeutet. „Im Hintergrund steht dabei oft eine gesundheitliche Problematik“, weiß Trost zu berichten.

Gülkan und Trost weisen darauf hin, dass die Arbeit der 1986 gegründeten Berufsbildungswerkstatt, die 2009 als gemeinnützige Gesellschaft für Beratung, Begleitung und Weiterbildung neu gegründet wurde, in den vergangenen Jahren differenzierter und komplexer geworden ist.

Längst geht es bei der BBWE, die mit ihren 80 Mitarbeitern durchschnittlich jährlich 4,5 Millionen Euro umsetzt, nicht mehr nur um handwerklich e Fähigkeiten.

Auch die Vorbereitung auf einen Schulabschluss, Nachhilfe für den Berufsschulunterricht, Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge und Zuwanderer, Bewerbungstraining, Umschulungen, außerbetriebliche Berufsausbildungen, Berufsvorbereitungskurse und eine umfassende soziale und berufsorientierte Begleitung vom Familien in schwierigen Lebenslagen gehören zum Programm der BBWE.

Das Geld für die berufspraktische und soziale Qualifizierungsarbeit, die Handwerksmeister, Lehrer, Sozialpädagogen und Psychologen an den  BBWE-Standorten Bülowstraße, Löhstraße und Saalestraße leisten, kommt aus den Töpfen der kommunalen Sozialagentur, der Bundesagentur für Arbeit, des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

„Mit Blick in die Zukunft müssen wir uns vor allem darüber Gedanken machen, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirkt und was das für die Arbeit der BBWE bedeutet“, betont Dieter Schweers. Der ehemalige Jugendamtsleiter steht dem alleinigen BBWE-Gesellschafter, dem 18 Mitglieder zählenden und gemeinnützigen Verein Mülheimer Bildungswerk vor. „Vor 50 Jahren wurden wir von 13 Mitgliedern aus Rat und Verwaltung als Kaufmännisches Bildungswerk gegründet, das die Kurse der aufgelösten Handelsschule Schwenzer übernahm“, beschreibt Schweers den bereits vollzogenen Wandel des Trägervereins, der über die Geschäftsführung und die inhaltliche und strategische Ausrichtung der BBWE wacht.

Waren die BBWE  und ihr Vorläufer anfangs allein auf weiter Flur, so gibt es heute mit ZAQ, Kurbel, VHS, Diakonie und privaten Bildungsträgern Mitbewerber, mit denen die BBWE in einigen Fällen auch kooperiert.

„Wir wünschen uns eine bessere finanzielle Ausstattung, die sich für unsere öffentlichen Geldgeber durch langfristig eingesparte Sozialausgaben rechnen würde, um die Betreuung der Teilnehmer durch mehr hauptamtlihe Mitarbeiter optimieren und noch besser auf ihre individuellen Bedürfnisse ausrichten zu können“, sagt Dieter Schweers, der seit der letzten Mitgliederversammlung des Mülheimer Bildungswerkes mit Dieter Spliethoff und Jan Vogelsang zwei Stellvertreter aus der SPD-Ratsfraktion hat. 

Ausgesprochen dankbar sind Gesellschafter und Geschäftsfüher für die punktuellen Finanzspritzen, die sie zum Beispiel von der Sparkassenstiftung, von der Leonhard-Stinnes-Stiftung und von der Spardabank bekommen. 

Wer sich über die aktuellen Qualifikationsangebote der BBWE informieren möchte, wird unter: www.bbwe.de und unter 0208 30 15 93 211 fündig.

Dieser Text erschien am 26. Juli 2018 in NRZ/WAZ

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