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Der Vorher-Nachher-Effekt

Nach Weihnachten erscheint mir das Forum fast voller als vor Weihnachten. Habe ich etwas verpasst. Hat der Vatikan vielleicht einen dritten oder Weihnachtstag eingeführt? Doch mir schwant. Nach der Bescherung ist vor dem Umtausch. Parfüm, Krawatten, Dessous, Musik-CDs sind oft gut gemeint, kommen beim oder bei der Beschenkten nicht immer gut an. Auch ich erinnere mich an Bescherungen im Kreise der lieben Familie, bei denen irgendwann der Satz fiel: „Nein, wirklich. Sehr schön. Aber kann man das noch umtauschen.“ Das war dann am Heiligen Abend schon die erste Herausforderung für die guten Vorsätze der Harmonie und für den Haussegen, der in Schieflage zu geraten drohte. Hinzu kam, dass es immer die selben Kandidaten, die die Weihnachtsstimmung mit ihrer Unzufriedenheit über ihr Geschenk einer harten Belastungsprobe aussetzten. Und so ist es auch in unserer Familie über die Jahre der leidvollen Bescherungsfrustrationen zu einer unromantischen, aber pragmatischen Wende auf dem Gabentisch gekommen. Jetzt gibt es meistens das Mülheimer Flachgebinde mit einer Bargeld-Einlage oder mit einem Geschenkgutschein. Und so sieht man sich heute immer öfter im Einzelhandel wieder, weil sich dieser nach der Bescherung mit Glockengeläut über ein zweites Klingeln seiner Kasse im verlängerten Weihnachtsgeschenk freuen kann. Was tut man nicht alles, um seine Lieben glücklich und zu machen und ganz nebenbei die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Doch ich befürchte, dass uns angesichts der angekündigten Steuererhöhungen nach den Feiertagen noch so manche unliebsame Bescherung ins Haus steht, gegen die kein Gutschein und kein Kassenzettel mit Umtauschgarantie helfen kann. Eine Reklamation mit Umtauschaussichten wird es frühestens bei den nächsten Kommunalwahlen geben.

Dieser Text erschien am 29. Dezember 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

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