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Erinnerung an zerbrochene Strukturen: Das Kunstmuseum Alte Post und die Heinrch-Böll-Stiftung luden in die Ausstellung "Befreite Moderne"

Die Leiterin des Kunstmuseums Alte Post
Kunsthistorikerin, Dr. Beate Reese bei der
Führung durch die Ausstellung
"Befreite Moderne"
Zerbrochene Strukturen, das Spiel mit Hell und Dunkel, geöffnete Fenster, die frische Luft hereinlassen oder schwungvolle und farbenstarke Motive der neuen Freiheit und Lebensfreude. Diese Motive finden sich immer wieder in der Ausstellung „Befreite Moderne“, durch die sich am Freitag 30 Gäste der Heinrich-Böll-Stiftung fachkundig von Beate Reese führen ließen.

Kurzweilig und pädagogisch geschickt, bezog die Kunsthistorikerin und Leiterin des Kunstmuseums Alte Post die Betrachter in ihre Führung mit ein, ermutigte sie zum genaueren Anschauen und Interpretieren der Bilder. In der eineinhalbstündigen Werkschau wurde deutlich: Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie muss immer wieder gepflegt, verteidigt, erkämpft und erarbeitet werden. Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe weiß das aus seiner 92-jährigen Lebenserfahrung. Er hat als Zeitzeuge die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung auf die Mülheimer Ausstellung aufmerksam gemacht. Eigentlich wollte der Gründungsvater der Grünen in der Alten Post selbst berichten, wie er die Befreiung der Kunst nach 1945 erlebt hat. Doch eine Grippe zwang ihn, zuhause zu bleiben. „Von einer intakten Zivilgesellschaft konnte man nicht mehr sprechen. Denn die Nationalsozialisten hatten während ihrer Herrschaft alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens beherrscht“, erinnert sich Knabe in seinem von Marlies Rustemeyer vorgetragenen Zeitzeugenbericht. Kaum vorstellbar, dass sein Deutsch-Unterricht in den 30er Jahren ohne die Werke von Hermann Hesse oder Thomas Mann stattfand. Sie sollte er erst in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft kennen lernen. „Erst 1946“, so Knabe, habe er in einer Ausstellung zum ersten Mal die Bilder des von den Nazis verfemten Malers Otto Dix gesehen. „Ich brauchte viele Jahrzehnte“, so Knabe weiter, „um diesen durch die Nazis verursachten Verlust an Bildung in meiner Jugend aufzuholen. Unser Kunstmuseum hat mir dabei geholfen. Ich danke dafür und nutze ganz praktisch auch den Freiraum dieser Ausstellung dafür.“


Dieser Text erschien am 9. Januar 2016 in der NRZ und in der WAZ

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