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Den Rhytmus im Blut: Steffi Wolter

Steffi Wolter
„Wenn ich tanze, fühle ich mich frei. Dann kann ich alle meine Alltagssorgen vergessen“, sagt Steffi Wolter. Die Augen der 44-jährigen Mutter und Arzthelferin leuchten dabei so, dass man selbst als Tanzmuffel mit ihr eine Runde über das Parkett drehen möchte.

Schon als Teenager hat Wolter selbst in der Garde des Mülheimer Carenvalsclubs getanzt, trainiert von der legendären Margot Rudolph. „Von ihr habe ich viel gelernt“, sagt Wolter. Mit Blick auf ihre eigene Erfahrung als Tänzerin und Trainerin, ist sie davon überzeugt, „dass das gemeinsame Tanzen in der Garde ein gutes Training fürs Leben ist.“ Warum? „Die Auftritte stärken das Selbstbewusstsein. Und schon beim Training lernt man ganz selbstverständlich, dass man sich aufeinander verlassen können muss und nur gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann.“

Als Wolter Ende der 90er Jahre mit dem aktiven Tanzen aufhörte und dann beim Training ihrer heute 20-jährigen Tochter Sandy zuschaute, kam schnell der Moment, in dem sie ihre alte Trainerin Margot Rudolph fragte: „Kann ich mal helfen?“ Sie konnte und wuchs in die Trainer-Nachfolge Rudolphs hinein. Wie sie, setzt Wolter heute auf eine ausgewogene Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche.“ Als Trainerin, so glaubt sie, braucht man Liebe und Konsequenz. Man muss für die Sorgen der jungen Damen offen sein, aber auch dafür sorgen, dass Regeln eingehalten werden, damit die Show auf die Bühne kommt.

In dieser Session trainieren Wolter und ihre Trainer-Kolleginnen Sandy Matuschak, Mona Bergendahl und Lucy Lantermann und Deborah Stegmann. Zusammen betreuen sie aktuell 35 Gardetänzerinnen vom Kleinkind- bis ins junge Erwachsenenalter. Montags und dienstags steht das Training auf dem Programm. Doch damit ist es für die Cheftrainerin, die ganz nebenbei auch noch stellvertretende Schatzmeisterin ihrer Gesellschaft ist, nicht getan. Kostüme müssen beschafft und aufgepeppt, Auftrittstermine geplant und der Soundtrack für die Tanzshow kreiert und am Computer zusammengeschnitten werden. „Wir wagen uns jetzt auch an Hebefiguren heran“, freut sich Wolter mit Blick auf die neue Tanzshow „Razzia“. Bisher ist die Tanzgarde des MCCs rein weiblich. Gerne würde Wolter auch den einen oder anderen jungen Mann in ihrer Tanzgarde sehen. „Doch die Jungs spielen leider lieber Fußball“, weiß die Mutter eines 13-jährigen Sohnes.

Obwohl sie die Arbeitsstunden, die sie in ihr karnevalistisches Engagement investiert, noch nie gezählt hat, vergleicht sie ihre ehrenamtliche Trainerarbeit mit einem Halbtags-Job. Doch auch wenn sie dafür nicht bezahlt wird, möchte sie die damit verbundene Kreativität, Fantasie, Gemeinschaft und Anerkennung um keinen Preis der Welt missen. Ihr Motto: „Lieber auf neuen Wegen stolpern, als auf alten Wegen auf der Stelle treten.“


Dieser Text erschien am 9. Januar 2016 in NRZ und WAZ

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