Direkt zum Hauptbereich

Toll und voll! Ein Besuch der Mülheimer Seniorensitzung in der Stadthalle

Volles Haus, tolles Programm und beste Stimmung. Dieser närrische Dreisatz ging auch bei der gestrigen Seniorensitzung im Theatersaal der Stadthalle auf. Gut 1000 Senioren zeigten sich wieder mal als besonders karnevalstauglich und textsicher. „Da sind wir dabei. Das ist prima!“ Nicht nur Lokalmatadore, wie die Tollitäten und ihre Tanzshows wurden mit viel Applaus und Zugabe-Rufen gefeiert. Auch die komödiantischen Gastarbeiter aus dem rheinischen Karneval, à la Engel Hedwig (Sieberichs) und Et Zweijestirn konnten beim Publikum landen und kamen nicht ohne Nachspiel von der Bühne. Beide Auftritte zeigten: Es gibt auch Büttereden mit geistreichem Witz. Hedwig, die Sitzungspräsident Heino Passmann als „Brummer unter den Schutzengeln“ vorstellte, berichtete zum Beispiel: „Als ich bei Hager und Mager etwas schönes zum Anziehen suchte, war die Umkleidekabine das Einzige, was mir gepasst hätte.“ Auch der deftige politische Witz des Zweijestirns ließ den Funken auf das reife und närrische Publikum spontan überspringen. Etwa als das Duo den Karnevalsschlager „Viva Colonia“ mit Blick auf den geschassten Fifa-Chef Sepp Blatter, den russischen Präsidenten Vladimir Putin und andere Bad Guys der Zeitgeschichte umdichtete: „Viva Corrupta. Da sind wir dabei. Das ist prima. Und wenn uns die Presse befragt, dann halten wir einfach die Fresse und machen weiter unverzagt“, wurde es beim eingängigen Refrain vom Publikum so stimmgewaltig begleitet, dass die Fischerchöre vor Neid hätten erblassen können. Zurecht gefeiert wurde vom Publikum auch die grandiose, weil anmutige und athletische Solo-Tanzshow von Joline Golumski aus den Reihen der Oberhausener Karnevalsgesellschaft Wagaschei. Angesichts ihrer atemberaubenden Überschläge und Spagat-Sprünge mag sich so mancher reife Jeck in seinem Stadthallensessel im Stillen gesagt haben: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Orthopäden.“ Solch brillante Körperbeherrschung, wie sie Joline Golumski auf die Stadthallenbühne zauberte, ist eben nur der besonders gut durchtrainierten Jugend vorbehalten. Apropos Jugend: Stadtprinz Markus (Baujahr 1974) hatte die Lacher der reifen Jecken auf seiner Seite, als er witzelte: „Eigentlich dürfte ich ja gar nicht hier sein. Denn ich bin ja noch viel zu jung für die Seniorensitzung!“ Ein Schelm, der Böses dabei dachte. 

Dieser Text erschien am 26. Januar 2016 in der NRZ und in der WAZ

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…