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Die Spätberufene: Marita Kocks

Marita Kocks
Die Floristin Marita Kocks ist mit ihren 40 Lenzen eine spätberufene, aber dafür auch besonders aktive Karnevalistin. „Ich kam vor vier Jahren eher zufällig in die Gesellschaft“, erzählt die zweifache Mutter.

Als sie an der Ella-Montan-Tankstelle an der Sandstraße ihren Wagen auftankte, kam sie mit Annette Stachelhaus ins Gespräch. Kocks erzählte ihr von ihrer Tochter Kiara, die für ihr Leben gerne tanze, sobald sie flotte Musik zu hören bekomme. „Da sind Sie bei mir genau an der richtigen Adresse“, sagte ihr Stachelhaus. Denn was Kocks nicht wusste: Die freundliche Frau von der Tankstelle war und ist Vorsitzende der drittältesten Karnevalsgesellschaft Mülheims.

„Ich bin dann mit Kiara mal zu einem Training der Tanzgarden gegangen und sie war von Anfang an begeistert“, erinnert sich Marita Kocks. Und weil sie eine Frau ist, die gerne hilft, wo Hilfe gebraucht wird und auch kein Problem damit hat, auf andere Menschen zuzugehen, ließ sie sich Ruckzuck vom Bazillus Karnevalensis anstecken und in die KG Knattsch Gek aufnehmen.

„Wir haben zwar nur 45 Mitglieder. Aber weil die Gesellschaft sehr klein ist, geht es auch besonders familiär zu. Und es gibt keine Klübchenbildung, wie in manchen anderen Verein“, erklärt Kocks, warum sie sich in der KG Knattsch Gek so wohl fühlt.

Ganz selbstverständlich hilft sie heute beim Training der Tanzgarden mit und begleitet diese zu Auftritten und im Rosenmontagszug. Wenn Kocks mit von der Partie ist, kann sich jede Gardistin sicher sein, dass ihr Tanzkostüm richtig sitzt, auch wenn man sich vor und nach dem Auftritt schnell man umziehen muss. Und auch darauf, dass jedes Tanzmariechen genug Wasser trinkt und nicht plötzlich schlapp macht.

Apropos trinkt. „Viele Leute glauben, dass bei Karnevalsgesellschaften viel Alkohol getrunken wird“, weiß Kocks. Denn als Jugendbeauftragte des Karnevalsvereins, stößt sie oft auf solche Vorurteile, wenn sie mit Eltern aus ihrer Nachbarschaft oder aus ihrem persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis über den Karneval im Allgemeinen und über ihre Gesellschaft und deren Tanzgarde im Besonderen spricht. „Die meisten Menschen schließen leider von negativen Randerscheinungen beim Rosenmontagszug auf den ganzen Karneval“, bedauert die Karnevalsmutter. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie nüchtern man sein muss, wenn man zum Beispiel Veranstaltungen vorbereitet, mit Säge, Farbe und Pinsel am Wochenende beim Wagenbau hantiert oder den närrischen Nachwuchs der Gesellschaft begleitet und betreut.

„Mein Mann und ich sind uns einig, dass man sein Kind nicht einfach bei einem Verein abgeben und dann nach Hause gehen kann. Mann muss schon hinter seinem Kind und dem stehen, was es im Verein macht“, findet Kocks. Sie selbst hat in den vergangenen vier Jahren den Eindruck gewonnen, dass ihre Tochter Kiara als Tanzgardistin bei der KG Knattsch Gek viele wertvolle soziale Kontakte geknüpft und an Selbstbewusstsein gewonnen hat.

Auch sie selbst will die Gemeinschaft ihrer Gesellschaft nicht mehr missen: „Man lernt interessante Menschen kennen, mit denen man nicht nur Karneval feiert, sondern auch über andere Dinge des Lebens sprechen kann“, freut sich Kocks. Und dann verabschiedet sie sich. Denn sie muss noch Kuchen backen, für den Kinderkarneval!


Dieser Text erschien am 16. Januar 2016 in der NRZ und in der WAZ

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