Direkt zum Hauptbereich

Jung und jeck: Christian Hövelmann

Christian Hövelmann in
Aktion (Foto: Pictures & Music Hövelmann)
Wenn man so, wie Christian Hövelmann, Sohn eines Ex-Stadtprinzen ist, wird man entweder karnevalsresistent oder man wächst in den Karneval hinein und steigt voll ein. Der 26-jährige Elektriker hat sich für Letzteres entschieden. „Die meisten meiner Freunde habe ich im Karneval kennen gelernt“, sagtHövelmann. Die Karnevalsgesellschaft Blau Weiß, in der Vater Herbert mit von der Partie ist, ist für ihn zu einer zweiten Familie geworden.

Dort kann man ihn an vielen Stellen treffen. Am Schlagzeug der BMP-Brassband, am Reglerpult für die Licht und Tontechnik, beim Arrangieren oder Zusammenschneiden von Musikstücken und Soundtracks für die Tanzshows der blau-weißen Garden – oder auch ganz handfest beim Aufbau von Sitzgarnituren und Bühnendekoration.

„Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie viele Stunden ich in den Karneval investiere. Denn Karneval ist mein Hobby. Hier bin ich in einer starken Gemeinschaft, in die ich mich kreativ einbringen kann“, sagt Hövelmann und lächelt. Der junge Mann, der inzwischen auch zum stellvertretenden Vorsitzenden und zum Hoppeditz seiner Gesellschaft avanciert ist, kann locker Laune machen. Für ihn gibt es kein „größeres Erfolgserlebnis, als die Menschen mit Musik, Tanz, Gesang und Komik für ein paar Stunden aus ihrem Alltag und ihren Sorgen herauszuholen.“ Deshalb ist er auch davon überzeugt, „dass wir gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, Karneval feiern müssen, um uns eine fröhliche Konstante in unserem Alltag zu bewahren.“

Was ihm an seiner Gesellschaft besonders gut gefällt, ist die Tatsache, „dass man bei uns auch zwischen den Sessionen gemeinsam feiert oder etwas unternimmt.“ Das die Mischung aus familiärem Zusammenhalt und fröhlicher Gemeinschaft auch Jüngere anziehen kann, macht Christian Hövelmann daran fest, „dass wir als Gesellschaft inzwischen rund 250 Mitglieder haben, von denen immerhin rund 20 Prozent unter 18 sind.“ Und deshalb ist ihm auch nicht bange um seine karnevalistische Zukunft im blau-weißen Narrengewand. Allerdings würde er sich von so manchem Arbeitgeber mehr Verständnis für das karnevalistische Hobby seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen. Denn oft sind es die immer flexibler und expansiver werdenden Arbeitszeiten, die so manchem Karnevalsfreund den Spaß an der Freude verderben.

Dieser Text erschien am 13. Januar in der NRZ und in der WAZ

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…