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Mülheim braucht ganz viele Marshalls

„Zu viele Waffen am Hauptbahnhof“ Die Samstagsschlagzeile auf der Lokalseite 1 und der darunter stehende Bericht ließ sicher nicht nur mir das Frühstücksbrötchen im Halse stecken. Das Mülheim eine Stadt im Westen ist, weiß ich. Das wir jetzt aber schon im wilden Westen angekommen sind, war mir neu. Da lebt und arbeitet man seit Jahrzehnten in seiner Stadt, von der man glaubt, dass man sie kennt. Und plötzlich wird man durchgeschüttelt, weil man erkennt, dass man sie doch nicht so gut kennt. Der Lagebericht vom Hauptbahnhof zeigt, dass sich nicht nur in unserer Stadt etwas zum Schlechteren verschoben hat und der Zug der Zeit in einer Sackgasse zum Stehen gekommen ist. „Zwölf Uhr mittags“ in Mülheim. Wer wird jetzt unser Town-Marshall Will Kane? Gary Cooper ist mit dem Zug der Zeit schon lange abgereist. Es ist Zeit einzusehen, dass es die einsamen und unerschrockenen Helden, die das Böse allein und im Handstreich besiegen, nur auf der Leinwand gibt. Die Filme, die das wirkliche Lebens auch in unserer Stadt schreibt, entziehen sich jeder Schwarz-Weiß-Sicht aufs Leben. Sie verlangen nach kugen Regisseuren ganz vielen Marshalls und Sheriffs. Diese Marshalls und Sheriffs arbeiten nicht nur bei der Polizei, sondern an ganz vielen Tat-Orten in unserer Gesellschaft, an denen sie täglich zu Helden werden, weil sie ihren Schützlingen zeigen, dass Lebenslust, Freude, Mut, Selbstvertrauen, Freundschaft, Liebe, Solidarität, Bildung und Durchhaltevermögen in jedem Fall die besseren Waffen sind als Pistolen, Messer & Co, um sich in seinem Leben ein filmreifes Happyend zu erkämpfen. 

Dieser Text erschien am 20. März 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

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