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Spitze Feder im Doppelpack

Mit Armin Laschet und Martin Reinl zeichneten die Mülheimer Karnevalisten jetzt gleich zwei Persönlichkeiten mit einer Spitzen Feder für Ihre Verdienste um das freie Wort aus.
Beide Preisträger, die jetzt auch "Ordensbrüder" sind, zeigten in ihren Dankesworten, dass sie den seit 1984 vom Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval verliehenen Ehrenpreis zu Recht erhalten haben. "Du bekommst die Spitze Feder, damit ich sie mir an meinen Hut stecken kann", ließ der Autor, Regisseur und Synchronsprecher Martin Reinl sein Zirkuspferd Horst Ferdinand spotten.
Der aus der Karnevalshochburg Aachen stammende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der sein Geld früher als Journalist verdient hat, hatte die Lacher der 500 Jecken im ausverkauften Festsaal der Stadthalle auf seiner Seite, als er feststellte: "Ich war die ganze Woche in Berlin. Und wenn man das Theater sieht, das sich dort abspielt, ist man froh, wenn man am Samstagabend hier wieder unter normalen Menschen sein darf." Auch eine andere Pointe des frei sprechenden Landesvaters traf den Geschmack seiner Zuhörer: "Dass ich in der Heimatstadt meiner Amtsvorgängerin Hannelore Kraft mit der Spitzen Feder ausgezeichnet werde, ist so, als ehre man in der Schalke-Arena den BVB." Nicht gelten lassen wollte Sitzungspräsident Heino Passmann, dass Laschet mit Verweis auf die Grenzen der preußischen Rheinprovinz die Karnevalshochburg Mülheim ins Rheinland eingemeinden wollte. Passmann spitz: "Ich dachte immer, der Fluss, der durch unsere Stadt fließt, hieße Ruhr."
Gut Lachen hatten die Jecken im Saal auch bei Martin Reinls Ordensbruder und Laudator Ralph Morgenstern. Der 1956 in Mülheim geborene Musiker, Moderator und Schauspieler erinnerte sich unter anderem an seine "harten, aber erfolgreichen" Tanzschulstunden bei Pentermann und an eine Aufführung des Hippie-Musicals "Hair", das er 1970 ebenfalls im Festsaal der Stadthalle erlebt habe. Morgenstern bescheinigte dem Puppenstar Martin Reinl und seinen Plüschkollegen Horst Pferdinand, Charming Traudl und Wiwaldi die Fähigkeit, "mit geistreichem Wortwitz zu sagen, was gesagt werden muss." Der so gewürdigte Preisträger gab sich bescheiden: "Die Worte, die ich im Laufe meines Lebens benutzt habe, kommen ja nicht von mir selbst, sondern alle aus dem Duden. Schauen Sie mal nach."
Nicht lange nachschauen musste auch der Laschet-Laudator Thomas Plaßmann, um die Spitze Feder auszupacken. "Darf ich als politischer Karikaturist einen Politiker loben. Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst", fragte sich der Vor-Jahres-Preisträger und erteilte sich dann aber selbst die Absolution: "Das ganze Leben ist ja ein Widerspruch in sich, wenn wir gegen Atomkraft und Braunkohle sind, aber den Strom aus der Steckdose genießen oder für Umweltschutz eintreten, aber mit dem Geländewagen fahren."
Ausdrücklich lobte der politische Zeichner Plaßmann den Politiker Laschet für seine sachlichen und versöhnlichen Rhetorik, mit der er "Toleranz und Verständnis füreinander befördert und gleichzeitig die Gräben der gesellschaftlichen Spaltung zuschüttet und überwindet."
Dieser Text erschien am 25. November 2018 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

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