Donnerstag, 3. November 2016

So gesehen: Werden wir doch mal politisch

Wundern Sie sich manchmal darüber, dass sich Politiker oft gar nicht oder nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können, obwohl allen das gemeinsame Ziel und die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns klar sein müsste?

Dann versuchen Sie doch mal einen Familien-Geburtstag zu organisieren und alle Familienmitglieder an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit und an einem bestimmten Ort zusammenzubringen.

Dann werden Sie sich erst wundern und dann gar nicht mehr wundern.  „Ich könnte an jedem anderen Tag, aber nicht an diesem. Da habe ich einen ganz wichtigen Termin, den ich auf keinen Fall verschieben kann. Sonst gerne.“ Und wo wollen wir essen? „Also in dieses Lokal kriegen mich keine zehn Pferde hinein! Ich gehe überall hin, aber nicht dort hin.“ Was wollen wir essen: „Das auf keinen  Fall. Ich bin vegetarisch oder allergisch oder beides!“ Und wen wollen wir einladen? „Wenn Der kommt, komme ich auf keinen Fall. Ich bin ja eine Seele von Mensch. Aber das tue ich mir nicht an.“

Spätestens dann wollen Sie die Uno anrufen. Doch die hat gerade mit ihrem eigenen Krisenmanagement genug zu tun und deshalb keine Zeit für Sie. Jetzt begreifen Sie, warum auch die Politik manchmal, wie ein Kindergeburtstag anmutet („Das ist mein Spielzeug und das lasse ich mir nicht wegnehmen!“) Spätestens, wenn Sie dann doch noch rechtzeitig vor dem nächsten Geburtstag den kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden haben und im Kreise Ihrer Lieben feiern, fühlen Sie sich reif für den Friedensnobelpreis und sind froh darüber, dass Sie keine Renten,- Steuer- oder Gesundheitsreform unter Dach und Fach bringen müssen.

Dieser Text erschien am 31. Oktober 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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