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Volkstrauertag bleibt leider aktuell - Nicht nur auf dem im Ersten Weltkrieg angelegten Ehrenfriedhof im Uhlenhorst wurde gestern der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror gedacht

Ein Blick auf Hermann Lickfelds Skulptur
"Der Zusammenbrechende"
Stärker als es der Bildhauer Hermann Liekfeld mit seiner Skulptur „Der Zusammenbrechende“ getan hat, kann man das, was Kriege (bis heute) Menschen antun, kaum ins Bild setzen. Ein nackter Mensch schaut hilflos und vom Schmerz gebeugt zu Boden. Als der Mülheimer Bildhauer in den 30er-Jahren sein Mahnmal für den im Ersten Weltkrieg angelegten Ehrenfriedhof im Uhlenhorst schuf, stand der Zweite Weltkrieg noch bevor, der etwa 56 Millionen Menschen das Leben kosten sollte — nachdem der Erste Weltkrieg bereits zehn Millionen Menschenleben gefordert hatte.

Nicht nur auf diese historischen Tatsachen, sondern auch darauf, „dass Krieg, Terror, Gewalt und Tot immer noch von schmerzlicher Aktualität sind“, wiesen Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Hüßelbeck und Diakon Jürgen Werner in ihren Ansprachen hin. Würdig und berührend begleiteten die Chorbrüder des ältesten Mülheimer Männergesangsvereins, Frohsinn 1852, die Veranstaltung des Volkstrauertages, zu dem der Sozialverband Deutschland eingeladen hatte. Unter anderem sangen sie das Vater-Unser und die 1841 von Hoffmann von Fallersleben gedichtete und von Joseph Haydn komponierte Nationalhymne.

Angesichts der Aktualität war es bedauerlich, dass unter den gut 50 Teilnehmern, die gestern den Weg in den Uhlenhorst fanden, keine jungen Leute waren. Nicht nur an sie war die Mahnung gerichtet, die Hermann-Josef Hüßelbeck mit den Worten des 2015 verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aussprach: „Wer seine Geschichte nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“

Für den Bezirksbürgermeister steht fest: „Heute stehen wir dafür in der Verantwortung, dass unsere Kinder und Enkelkinder nicht das Schicksal erleiden müssen, das unsere Eltern und Großeltern erleiden mussten.“

Zur Verantwortung zählt Hüßelbeck auch die gelebte Solidarität mit Kriegsflüchtlingen und anderen Menschen in Not sowie „das aktive Eintreten für Demokratie, Frieden und Freiheit. weil sie eben nicht selbstverständlich“ seien.

Angesichts aktueller Kriegs- und Terror-Gewalt, aber auch mit Blick auf das persönlich erfahrene Leid, zeigte Diakon Jürgen Werner Verständnis für die menschlichen Zweifel an der Barmherzigkeit Gottes. Auch er bekannte sich zu diesen Zweifeln, ermutigte seine Zuhörer aber auch dazu, sich von der Welt „nicht erschrecken zu lassen und sich in einer schnelllebigen Zeit Momente der Stille und des Nachdenkens zu gönnen, um den Heiligen Geist, den uns Gott gegeben hat, in uns selbst auch zuzulassen und mit dieser Kraft allen Einflößungen von Gewalt und Hass zu widerstehen und ihnen entgegenzutreten“.

Diesen Appell verband der katholische Geistliche mit der Hoffnung des christlichen Glaubens, „dass Tod, Krieg, Terror und Gewalt nicht das letzte Wort haben, sondern Gott, die Auferstehung und das Leben“.


Dieser Text erschien am 14. November 2016 in NRZ/WAZ

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