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Rückblick: Stunde Null der Mülheimer Kommunalpolitik

Die Rathaus-Colonaden

Mülheim, 3. August 2015. Die Stadt wird von einer Gesamtschuldenlast von 1,6 Milliarden Euro gedrückt. Dennoch steht sie in der Pflicht, die öffentliche Infrastruktur aufrechtzuerhalten und, wo nötig, zu modernisieren. Gut 1000 Flüchtlinge aus alle Welt müssen menschenwürdig untergebracht und versorgt werden.

Mülheim, 3. August 1945. Auf Mülheims Straßen liegen rund 800.000 Kubikmeter Schutt. 29 Prozent aller Wohnhäuser sind von den Bomben des 2. Weltkrieges zerstört worden. Lebensmittel sind rationiert. Es fehlt an Treibstoff, um Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter in die Stadt zu bringen.

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen ist der Krieg in Mülheim zu am 11. April zu Ende gegangen. Damals lebten 88.000 Menschen in der Stadt, die seit dem 5. Juni zur britischen Besatzungszone gehört. Inzwischen leben wieder 130.000 Menschen mehr schlecht als recht in Mülheim, in dem Häuser nur notdürftig und provisorisch instand gesetzt werden können. In dieser Situation ernennt die britische Militärregierung einen 12-köpfigen Bürgerausschuss, der sie beim Wiederaufbau beraten und ein Bindeglied zwischen Militärregierung Stadtverwaltung und Bürgerschaft sein soll. Weil der Ratssaal noch zerstört ist, treten die Mitglieder des Bürgerausschusses im kleinen Trausaal des Rathauses zusammen. Viele von ihnen wird man nach der ersten Nachkriegskommunalwahl vom 13. Oktober 1946 als prägende Politiker des Wiederaufbaus und der Wirtschaftswunderjahre erleben.

Sozialdemokraten, wie der spätere Oberbürgermeister Heinrich Thöne, der erste Bundestagsabgeordnete Otto Striebeck oder der spätere Oberstadtdirektor und Landtagsabgeordnete Bernhard Witthaus, gehören ebenso zu den Mitgliedern des ernannten Bürgerausschusses, wie der Christdemokrat Max Kölges, der später unter anderem die CDU-Fraktion im Rat führt, dem Landtag angehört und zum Bürgermeister gewählt wird. Auch der spätere erste DGB-Vorsitzende Heinrich Melzer ist einer der ersten Bürgerräte.

Bürgerausschuss und Militärregierung sind sich einig, an einem Strang ziehen zu müssen, um den Mülheimern und vielen Flüchtlingen aus dem Osten Deutschlands Nahrung, Wohnraum und Arbeit beschaffen zu können.


Dieser Text erschien am 3. August 2015 in NRZ und WAZ

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