Dienstag, 11. Mai 2010

Wenn große Persönlichkeiten kleinen Persönlichkeiten vorlesen: Ein Bilderbuchbeispiel für Leseförderung


Das Wort sagt es schon. Vor dem eigenen Lesen kommt das Vorlesen. Und deshalb hatten die Erzieherin Andrea Rosin und ihre Kolleginnen vom katholischen Kindergarten der Saarner Kirchengemeinde St. Mariae Himmelfahrt eine einfache und zugleich geniale Idee, die Rosin so erklärt: „Große Persönlichkeiten lesen kleinen Persönlichkeiten etwas vor.

"Für ihre Veranstaltungsidee, die sie im Rahmen des Saarner Bücherfrühlings in die Tat umsetzten, fanden sie mit dem grünen Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe (Foto) und dem christdemokratischen Linksruhr-Bürgermeister Gerhard Allzeit denn auch ein schwarz-grünes Vorleser-Duo, das sich gestern im Kloster Saarn hör- und sichtbar Mühe gab.Gestik und Artikulation waren perfekt. Man merkte dem 86-jährigen Knabe und dem 75-jährigen Allzeit an, dass sie ihren eigenen Enkelkindern schon oft vorgelesen haben. Immer wieder hielten sie Blickkontakt zu ihren kleinen Zuhörerinnen Sophie (5) und Josephine (4), die beide auf dem Schoß von Rosin gespannt den vorgetragenen Geschichten folgten und unterstrichen den Handlungsverlauf von Zeit zu Zeit mit einer Handbewegung.

Knabe begeisterte die jungen Damen mit einer selbst geschriebenen Geschichte über den Jungen Ivo und drei Hunde, die ihm helfen, eine gestohlene Muschel zurückzubekommen. Allzeit unterhielt sie mit einer tierisch spannenden Geschichte über drei kleine Schweinchen, die von einem Wolf bedrängt werden, ihn dann aber mit einer List in die Flucht schlagen können.„Aller Anfang ist schwer“, kommentierte Allzeit den bescheidenen Publikumszuspruch am Mittwochnachmittag, der zeigte, dass auch eine gute Idee Zeit braucht, um Anhänger zu finden.„Die Kinder, die gekommen sind, haben ein Recht darauf, dass man sein Bestes gibt“, fand Knabe. „Das fördert auf jeden Fall die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder und ihren Spaß am Formulieren“, beschreibt Knabe den pädagogischen Mehrwert des Vorlesens. Außerdem glaubt er, dass das Vorlesen, anders als die Geschichten aus der technischen Konserve, auch „eine stärkere geistige Verbindung zwischen Kindern, Eltern und Großeltern schafft“, die wie „eine Brücke zwischen den Generationen trägt“.

Darüber hinaus liest Knabe seinen Enkeln auch deshalb gerne selbst geschriebene Geschichten vor, „weil mir das mehr Spaß macht und den Kopf beweglich hält“.Knabe und Allzeit wollen auf jeden Fall auch im Saarner Bücherfrühling 2011 wieder als Vorleser bereit stehen. Josephine und Sophie freuen sich auf jeden Fall schon jetzt aufs Wiedersehen.

Dieser Text erschien am 6. Mai 2010 in der NRZ

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