Dienstag, 18. Mai 2010

Warum der Fotograf Heiner Schmitz den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft verdient hat

"Er hat mich überrascht, aber auch gefreut." So lakonisch kommentiert Fotograf Heiner Schmitz, die Tatsache, dass er den 103. und mit 5500 Euro von der Sparkasse dotierten Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft erhält.

Womit hat er sich den verdient? In der Begründung der Jury ist von einem "in über 40 Jahren gewachsenen Werk" die Rede, "das in besonderer Weise Auftragsfotografie und freie fotografische Kunst verknüpft hat." Geht es noch etwas genauer? "Das sehr differenzierte seines künstlerischen Schaffens ist geprägt von seinem aus der Tätigkeit in der Werbung übernommenen konzeptionellen Ansatz, sich Themen inhaltlich zu nähern", heißt es da weiter und: "In seinen fotografischen Serien nehmen Menschen und Orte einen besonderen Stellenwert ein."Auch dass er sich als Professor an der FH in Dortmund um den Fotografennachwuchs, der sich heute Fotodesigner nennt, verdient gemacht hat, wird lobend erwähnt.

"Ich wollte meinen Studenten nie etwas von gestern beibringen", sagt Schmitz. Deshalb behielt er auch als Professor sein eigenes Fotostudio und brachte bei Symposien Absolventen und Profis regelmäßig zusammen, um die reine Lehre von der Fotokunst an der Wirklichkeit des Marktes zu messen.Die Frage, wann ein Foto zum Kunstwerk wird, beantwortet Schmitz nicht nur als Sachverständiger für die Industrie- und Handelskammer, sondern auch als Ruhrpreisträger so: "Wenn ein Foto eine Gestaltungshöhe erreicht, auf der es zu einer eigenen schöpferischen Arbeit wird, der es gelingt, einen Gedanken oder eine Aussage in eine gestalterische Form zu bringen."

Besonders gut ist ihm das selbst vielleicht bei seiner Fotoserie über Landschaften und Menschen in Palästina gelungen. Bilder, die er, inspiriert von den dort allgegenwärtigen Themen Trockenheit und Wasser, mit Texten aus Bibel, Talmud und Koran untertitelt hat, um ihren Eindruck zu verstärken und gleichzeitig das Verbindende zwischen den manchmal vermeintlich trennenden Weltregionen aufzuzeigen.

Doch nicht nur in der weiten Welt, sondern auch in Mülheim ist Schmitz, nicht nur als Fotograf ein aufmerksamer Beobachter und Teilnehmer des Zeitgeschehens. Natürlich macht er sich als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Künstler und der Künstlergruppe Ander, mit der er im Juni die leeren Kaufhof-Schaufenster kunstvoll ausfüllen will, dafür stark, die kulturellen Einrichtungen vor dem Rotstift zu retten. Dran bleibt er auch an dem Ziel eines Mülheimer Künstler- und Atelierhauses. Dass der Speldorfer Schmitz die Objekte seiner Kunst und seines Engagements immer wieder auch direkt vor der eigenen Haustür gefunden hat, zeigen sein unvergessener Einsatz für den Erhalt des Raffelbergparks und sein Foto- und Textband, den er 2009 über das 100 Jahre zuvor eröffnete und 1992 geschlossene Solbad Raffelberg vorgelegt hat, ein sehens- und lesenswertes Werk.Ebenfalls 2009 stellte er zusammen mit dem in Mülheim ansässigen Internationalen Club der Schlitzohren und gut 100 Kollegen aus dem Bund freischaffender Fotodesigner eine Fotoauktion auf die Beine, die 25 000 Euro für chinesische Erdbebenopfer einbrachte.

Dieser Beitrag erschien am 12. Mai 2010 in der NRZ

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