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40 Jahre Gustav-Heinemann-Schule: Leben lernen von Generation zu Generation


Eine große Schule, wie die Gustav-Heinemann-Schule, die gestern ihren 40. Geburtstag feierte, beeinflusst und berührt das Leben vieler Menschen. „Mein Schwiegersohn hat hier sein Abitur gemacht und ist heute Lehrer an der Willy-Brandt-Schule in Styrum“, erzählt Bürgermeisterin Renate aus der Beek, ehe sie der Jubilarin im Namen der Stadt gratuliert. Vieles zählt sie auf, was den Alltag an Mülheims größter Schule ausmacht: Das Förderprogramm Lernen individuell und das Konzept Europaschule und Schule ohne Rassismus sind nur einige pädagogische Paradebeispiele, die sie in ihrer Laudatio aufzählt. Ihr Fazit: „Eine Schule ist immer nur so gut, wie die Menschen, die in ihr lernen und lehren. Die Gustav-Heinemann-Schule hat mit ihren derzeit 1650 Schülern gezeigt, dass Größe und gemeinsames qualitätsvolles Lernen Hand in Hand gehen können.“

Wie die Gustav-Heinemann-Schule, die bis 1981 Gesamtschule Nord hieß, von Menschen geprägt worden ist und selbst Menschen geprägt hat, machen die Zeitzeugenberichte der Familie Weber deutlich. „Das war eine wilde Zeit“, erinnert sich Günter Weber, an die bildungspolitischen Diskussionen der späten 60er Jahre. Als junger SPD-Stadtverordneter mit Erfahrung in der offenen Jugendarbeit bereitete er damals im Schulausschuss politisch das Feld dafür, dass Mülheims erste Gesamtschule nicht in Saarn, sondern, Ironie der Geschichten, auf einem ehemaligen Ackergrundstück in seinem Stadtteil Dümpten errichtet und im Sommer 1970 mit 350 Schülern und 35 Lehrern unter der Leitung des ersten Schulleiters Günter Wischmann an den Start gehen konnte. Webers Resümee: „Es ist schön zu sehen, wie aktiv die Schule war und weiterhin ist.“

Webers Sohn Roland, der an der Gustav-Heinemann-Schule sein Abitur bestand, erinnert sich besonders gerne an seine Lehrer, „die mit viel Herzblut“ die Schüler dazu anhielten „Dinge auch kritisch zu hinterfragen.“ Gerne erinnert er sich auch an das gute Mensaessen und die Koch AG, von deren Langzeiteffekten seine Familie noch heute profitieren könne. In eher unangenehmer Erinnerung ist ihm dagegen das Sprachlabor geblieben: „Das war schwer zu ertragen, weil man jederzeit abgehört und berichtigt werden konnte.“

Last, but not least berichtet Sohn und Enkel Darius Weber, der zurzeit die elfte Klasse der Gustav-Heinemann-Schule besucht von seinen nicht nur sprach-, sondern auch persönlichkeitsfördernden Erfahrungen beim Schüleraustausch mit England und Frankreich. „Über die Sprache hinaus habe ich viel über das soziale Miteinander und die Kultur des jeweiligen Landes gelernt. Außerdem konnte ich bei dieser Gelegenheit auch lernen, frei zu sprechen“, macht Darius nicht nur mit seinen Worten, sondern mit der souveränen Art seines Vortrages deutlich. An dessen Ende steht die Perspektive, dass die Webers auch in Zukunft auf die Gustav-Heinemann-Schule setzen, indem sie ihr ab dem kommenden Schuljahr auch Darius jüngere Schwester Lea Marie (10) anvertrauen werden.Sie wird dann als Schülerin das fünfte Jahrzehnt der Gustav-Heinemann-Schule miterleben und mitgestalten, von dem Bürgermeisterin Renate aus der Beek in ihrer Laudation schon jetzt sagt, „dass es ein Abenteuer mit vielen neuen Herausforderungen wird.“

Dieser Text erschien am 29. Mai 2010 in der NRZ

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