Samstag, 15. Mai 2010

Warum nicht nur die Stadt, sondern auch die Evangelische Kirche sparen muss: Ein Bricht von der Kreissynode


Nicht nur die Stadt, auch der evangelische Kirchenkreis an der Ruhr und seine Gemeinden müssen sparen. In einem Bericht zur Finanz- und Strukturplanung prognostizierte Superintendent Helmut Hitzbleck am Freitagabend bei der Kreissynode im Altenhof einen drastischen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen. Derzeit können 5,275 Millionen Euro als Nettobetrag an die Gemeinden (3,58 Millionen), den Kirchenkreis (1,41 Millionen Euro) und an das Diakonische Werk (0,2 Millionen Euro) verteilt werden. 2015 werden es auf der Basis der demografischen Entwicklung nur noch drei Millionen Euro sein können. In dieser Aufstellung nicht enthalten sind die Personalkosten für Pfarrer (2,65 Millionen Euro) und rund 69 000 Euro, die in einem Umlageverfahren für den kirchlichen Entwicklungsdienst abgeführt werden.
Obwohl Hitzbleck deutlich machte, dass der Kirchenkreis und seine Gemeinden neben den Kirchensteuern auch auf öffentliche Zuschüsse, Spenden, Zinseinnahmen und Vermächtnisse zurückgreifen kann, ließ er keinen Zweifel daran, dass die Herbstsynode 2010 einschneidende Struktur- und Finanzierungsbeschlüsse treffen muss, um die Handlungsfähigkeit der evangelischen Kirche langfristig zu sichern.Hitzbleck entwarf drei mögliche Zukunftsmodelle: Modell 1 würde darauf hinauslaufen, dass die Gemeinden sich völlig eigenständig weiterentwickeln und der Kirchenkreis mit seinen gemeinschaftlichen Aufgaben drastisch "abgespeckt" wird.Modell 2 liefe auf eine stärkere Regionalisierung der Kirchenstruktur hinaus,, bei der Gemeinden verstärkt fusionieren und zusammenarbeiten, um ihre kirchlichen Aufgaben mit weniger Geld erfüllen zu können. Die finanziellen Einschnitte beim Kirchenkreis wären dann weniger drastisch.Das von Hitzbleck selbst langfristig bevorzugte Modell 3 liefe auf eine Zentralisierung und Bündelung der finanziellen und personellen Ressourcen hinaus. Personelle und finanzielle Angelegenheiten werden gemeinsam auf der Kreisebene entschieden. Die Gemeinden bleiben aber geistlich eigenständige Einheiten. Außerdem soll verstärkt gemeindeübergreifend, themen,- aufgaben- und zielgruppen orientiert gearbeitet werden, um auch mit Hilfe alternativer Gemeindemodelle noch mehr als bisher auch kirchenferne Menschen ansprechen und für Glauben und Kirche gewinnen zu können.Superintendent Hitzbleck formulierte die Herausforderung, vor der die derzeit 62 000 Mitglieder zählende Evangelische Stadtkirche in den kommenden Monaten und Jahren steht, so: "Sie, liebe Mitglieder der Kreissynode, spüren, dass wir an einem Scheideweg stehen. Wir müssen entscheiden, ob wir als Kirche zerbröseln oder ob wir unsere Potenziale für einen Neustart bündeln wollen."

So gesehen: Warum die Kirche nicht im Dorf bleiben kann
 
Demokratie ist nicht einfach, weil sie zur Verantwortung zwingt. Das erleben jetzt auch die Synodalen und Presbyter der evangelischen Kirche. Sie müssen die Weichen für eine Zukunft stellen, in der man die Kirche nicht im Dorf lassen, sondern alle Kräfte bündeln muss, damit Kirche auch mit weniger Geld in Wort und Tat vielleicht noch mehr Glaubwürdigkeit und Anziehungskraft als bisher entwickeln kann.
Dieser Beitrag erschien am 10. Mai 2010 in der NRZ

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