Direkt zum Hauptbereich

Warum Mülheimer Katholiken gerade jetzt für ihre Kirche auf die Straße gehen wollen


"Wir müssen aus der Defensive herauskommen," sagt der Vorsitzende des Katholikenrates, Wolfgang Feldmann. (Foto) Keine leichte Aufgabe für die katholische Stadtkirche, die zurzeit von einem Missbrauchverdacht in Heilig Geist erschüttert wird, der auf einem über dreißig Jahre zurückliegenden Vorfall beruht.Gerade weil derzeit zum Teil Jahrzehnte zurückliegende Missbrauchsfälle im Priesteramt den Ruf der katholischen Kirche arg angegriffen haben, wollen Feldmann und acht Mitstreiter aus der katholischen Stadtkonferenz am kommenden Samstag von 10 bis 12 Uhr auf dem Kurt-Schumacher Platz Rede und Antwort stehen und erklären, warum sie an ihre Kirche glauben.

Die Aktion scheint nötig. Seit Jahresbeginn sind allein in Mülheim 216 Katholiken aus ihrer Kirche ausgetreten, die Verbindung zu den Missbrauchsfällen liegt auf der Hand. Feldmann hofft auf eine sachliche Diskussion, bei der alle Themen auf den Tisch kommen. Er macht sich aber auch auf die eine oder andere Polemik gefasst. "Wir lassen uns von einigen wenigen Verbrechern unsere Kirche nicht kaputt machen", erklärt er die Motivation, für die Kirche auf die Straße zu gehen. Es lohnt sich. Davon sind Feldmann und die anderen Laienvertreter der katholischen Stadtkirche überzeugt.

"In der Kirche wir so viel Gutes geleistet. Hier geben Menschen ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Geld dafür, dass vor allem auch junge Menschen eine gute Zukunft haben", erklärt Feldmann.Wer jetzt aus der Kirche austrete und ihr damit auch seine Kirchensteuer entziehe, so Feldmanns Appell, entziehe ihr auch die Möglichkeit, Missbrauchsopfer zu entschädigen und darüber hinaus natürlich wichtige Sozial- und Bildungsarbeit in Kindergärten, Schulen, Sozialverbänden und Krankenhäusern zu leisten.Das Ziel der Diskussionsaktion, die um 12 Uhr mit einer Gebetsstunde in der katholischen Stadtkirche St. Mariae Geburt ausklingen wird, formuliert der Sprecher der katholischen Laien so: "Wir wollen uns der Kritik stellen und nichts verharmlosen oder vertuschen. Aber wir wollen auch den Blick für das öffnen, was an Positivem in der Kirche geleistet wird und so verhindern, dass alles in einen Topf geworfen wird und wir als Kirche und Gemeinschaft der Gläubigen in Bausch und Bogen verdammt werden."Dabei fühlen sich Feldmann und seine Mitstreiter für die katholische Kirche durch die Reformimpulse des ökumenischen Kirchentages, etwa mit Blick auf den priesterlichen Pflichtzölibat oder die Haltung zu wiederverheirateten Geschiedenen, ermutigt und bestärkt.

Dieser Text erschien am 18. Mai 2010 in der NRZ

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Vom Untergang einer kleinen Geschäftswelt: Vor 30 Jahren wurden die Bahnbögen an der Bahnstraße geöffnet

Der 30. und 31. Januar ist in meinem Kalender rot angestrichen", erzählt Familienforscherin Bärbel Essers. Dass das so ist, hat mit der Geschichte ihrer Familie zu tun. Denn am 30. und 31. Januar 1981 wurde das Geschäft ihrer Eltern am Bahnbogen 19 abgerissen. Mit diesem Abriss ging vor 30 Jahren eine lange Geschäftstradition unter den Bahnbögen an der Bahnstraße zu Ende. Denn als Gerhard Essers 1955 dort sein Geschäft für Angler- und Campingbedarf eröffnete, war er nicht der einzige Geschäftsmann, der unter den 1865 errichteten und 1866 als Eisenbahntrasse in Betrieb genommenen Bahnbögen sein Quartier aufgeschlagen hatte.
Seine 1961 geborene Tochter erinnert sich nicht nur an eine legendäre Pommesbude, eine Eisdiele und den Löschbogen, der damals noch wirklich unter dem Bahnbogen Bier und mehr ausschenkte und die traditionelle Stammkneipe der Marktleute war.

Als Essers noch ein Kind war, handelten ihre Nachbarn unter den Bahnbögen zum Beispiel mit Lederwaren, Obst und Gemüse, Kart…