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Wenn es Nacht wird am Fünter Weg: Warum sich viele Anwohner vor allem im Sommer um den Schlaf gebracht sehen

Wirklich friedlich ist dieser Fünter Weg am Montagnachmittag. Nur einige Kinderstimmen sind aus der dortigen Grundschule zu hören. Die meisten Häuser sind hier ebenso adrett anzusehen wie ihre kleinen Vorgärten. Ein gutbürgerliches Wohnquartier im Herzen von Heißen. Doch wenn es Nacht wird am Fünter Weg, soll es hier zuweilen gar nicht so gutbürgerlich zugehen. Vond randalierenden, alkoholisierten und pöbelnden Jugendlichen war jüngst bei einer Anwohnerversammlung im Kulturzentrum Fünte die Rede.

Der Mann von der Presse will es wissen und klingelt bei Anwohnern am unteren Fünter Weg. Gerne berichten sie dem Besuch von der Zeitung ihre Erfahrungen. Ihre Namen wollen sie aber nicht in der Presse sehen. Von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist da die Rede, die vorzugsweise im Sommer freitags und samstags zwischen 21 und 2 Uhr den Fünter Weg zu ihrer Rennstrecke machen und sich an der Tankstelle an der Gracht/Ecke Fünter Weg mit Alkohol versorgen. "Wir fragen im Zweifel immer nach dem Ausweis. Deshalb werden wir manchmal sogar ausgelacht. Aber wir fragen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nacht", betont Tankstellenmitarbeiterin Veronika Brehmen. Sie hat in den letzten Wochen mehrfach am späten Freitag- und Samstagabend im Tankstellenshop Dienst gehabt und nie Probleme mit alkoholisierten oder gar randalierenden Jugendlichen bekommen.
Doch wenn man den befragten Anwohnern glauben darf, steigt mit den Temperaturen auch das Randale-Risiko.

Berichtet wird von jungen Rowdies, die ihre Bier- und Schnapsflaschen in den Vorgärten auf kleinen Grünflächen oder auf dem Schulhof am Fünter Weg hinterlassen, nicht selten in Form von Scherben, die in diesem Fall kein Glück, sondern nur eine Verletzungsgefahr mit sich bringen. Es gibt sogar Nachbarn, die nach so manchem heißen Wochenende am Fünter Weg privat mit der Müllzange unterwegs sind, um die unansehnlichsten Überreste zu beseitigen.
Noch mehr als über die eine oder andere Notdurft, die im nächtlichen Vollrausch in dem einen oder anderen Vorgarten erledigt wird, ärgern sich die Fünter über abgetretene Autospiegel oder besprühte Hauswände und Garagentore, die dann auf eigene Kosten wieder neu gestrichen oder ersetzt werden müssen. Nur wenige sehen es so gelassen, wie Anwohnerin Elke Thom, die angesichts angetrunkener Jugendlicher, die über die Stränge schlagen zwar nicht begeistert ist aber sagt: "Damit kann ich leben." Und der ehemalige Stadtverordnete Dieter Denecke, der als Anwohner am Fünter Weg immer wieder mal auf dem Schulhof trinkende Jugendliche beobachtet hat, schätzt, "dass das in den letzten Wochen vielleicht ein- oder zweimal passiert ist."

Andere Anwohner fühlen sich aber schon "von Schreien, die sich manchmal anhören, als ob einer germeuchelt würde", in ihrer Nachtruhe empfindlich gestört, vor allem dann, wenn ihre Schlafzimmer zur Straßenseite hin liegen. Wie könnte man das Problem entschärfen, das von einer Gruppe ausgeht, die auf vier bis zehn Personen geschätzt wird? Die meisten der befragten Anwohner wünschen sich eine stärkere Polizeipräsenz in den fraglichen Stunden am späten Freitag- und Samstagabend. Zwar befindet sich unmittelbar am Fünter Weg eine Bezirksdienststelle der Polizei. Doch die ist nur tagsüber besetzt. Außerdem würden sie es begrüßen, wenn die Tankstelle an den kritischen Tagen zumindest ab 22 Uhr auf den Verkauf von Alkohol verzichten würde. Eine Vorstellung, die für Tankstellen-Mitarbeitern Brehmen unvorstellbar ist.

Und was sagt die Polizei zum Samstagnacht-Fieber der randalierenden und trinkenden Jugendlichen am Fünter Weg? "Dafür gibt es die 110," betont Polizeisprecher Thomas Hemmelmann und fügt erklärend hinzu: "Wenn wir gerufen werden, kommen wir auch und gehen jeder Ruhestörung nach, obwohl das nicht unsere originäre Aufgabe ist. Aber wenn wir nicht gerufen werden, können wir auch nicht kommen."

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