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Das Priesteramt im Wandel: Ein Gespräch mit Stadtdechant Michael Janßen, der heute sein silbernes Priesterjubiläum feiert



In einer Zeit, in der die katholische Kirche nicht viel zu feiern hat, feiert Stadtdechant Michael Janßen am heutigen Pfingstmontag um 16 Uhr sein Silbernes Priesterjubiläum mit einem Hochamt in seiner Pfarrkirche St. Mariae Geburt und einem anschließenden Empfang im Altenhof. Aus gegebenem Anlass sprach ich im Auftrag der NRZ mit dem katholischen Stadtpfarrer über seinen Beruf und das Priesteramt in der Kirchenkrise.


Warum sind Sie überhaupt Priester geworden?
Ich erinnere mich, dass ich meinen Eltern schon als Neunjähriger gesagt habe: Wenn ich Priester werden will, muss ich ein Gymnasium besuchen, an dem ich auch Griechisch und Latein lernen kann. Ein Auslöser war sicher ein Zeitschriftenartikel über Papst Johannes XXIII., den Vater des II. Vatikanischen ökumenischen Konzils, der mir als Neunjähriger in die Finger fiel und bei mir den Wunsch aufbrechen ließ, Priester zu werden. Dieser Wunsch wurde durch das Glaubensvorbild großer Priesterpersönlichkeiten und meiner Eltern sowie durch mein eigenes Mittun in der katholischen Jugendarbeit und in der Meßdienerarbeit bestärkt, so dass ich 1985 zum damals jüngsten Priester des Bistums geweiht wurde.


Wie hat sich der Priesterberuf in den letzten 25 Jahren verändert?
Es sind einfach weniger Priester da. So dass viel mehr Arbeit auf viel weniger Schultern verteilt wird. Heute kommen größere Belastungen auf einen Priester zu. Früher hatte jede Pfarrgemeinde auch einen Kaplan. Und das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Inzwischen werden die Gemeinden nicht nur aufgrund des Priestermangels, sondern aus finanziellen Gründen immer größer. Da schaut ganz Deutschland auf die Umstrukturierung des Ruhrbistums und wird nachziehen müssen, weil die Kirchensteuereinnahmen immer weiter zurückgehen.


Wie ließe sich der Priestermangel beheben?
Schon das II. Vatikanische Konzil hat den Gedanken entwickelt, dass man das Priesteramt auch für verheiratete Männer öffnen könnte, die sich über viele Jahre in der Ehe bewährt haben. Man sollte das noch einmal neu bedenken und wieder auf die Tagesordnung setzen. Bedenkenswert wäre in diesem Zusammenhang aber auch das Diakonat der Frau.


Sollte man nicht gleich den Pflichtzölibat abschaffen?
Ich selbst könnte mir nicht vorstellen, dass ich Priestertum mit Ehe und Familie unter einen Hut bringen könnte. Dafür bin ich einfach zu sehr Priester mit Leib und Seele. Ich bin deshalb für den Zölibat, weil er mir die Freiheit gibt, ganz für Gott und die Menschen da zu sein. Nur weil ich als Priester zölibatär lebe, heißt das ja nicht, dass ich ein einsamer Mensch bin.

Ist es in Zeiten der Diskussion über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche unangenehmer geworden, Priester zu sein?
Ich stelle mich dem. Das ist ja auch in der jüngsten Presseberichterstattung über den Missbrauchsverdacht in Heilig Geist deutlich geworden. Man muss auf alle Fragen klar eingehen. Und ich glaube, dass die Kirche aus der jetzigen Krise gestärkt hervorgehen kann, wenn sie auf die Dinge, die im Raum stehen und ihr vorgeworfen werden, gut reagiert.


Was bedeutet das konkret?
Bei den Missbrauchsfällen hat die Kirche dazu gelernt und erkannt, dass man mit diesen unangenehmen Dingen ganz offen umgehen muss. Und ich glaube, dass wir da jetzt auch auf einem guten und gangbaren Weg sind.


Zur Person: Michael Janßen wurde 1960 in Oberhausen geboren. Nach dem Abitur studierte er in Bochum, Münster und Essen katholische Theologie, ehe er 1984 zum Diakon und 1985 zum Priester geweiht wurde. 1989 kam er erstmals als Kaplan in seine heutige Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt, die er seit 2004 als Pfarrer leitet. Zuvor hatte Janßen, der seit 2008 auch das Amt des Stadtdechanten bekleidet, eine Pfarrgemeinde in Bochum geleitet. 2006 übernahm er die Leitung der neugebildeten Groß-Pfarrei St. Mariae Geburt, zu der rund 18 000 Katholiken in den Gemeinden St. Mariae Geburt und St. Joseph gehören. Neben den beiden Gemeindekirche betreuen Janßen und seine Priesterkollegen in St. Mariae Geburt auch die beiden Filialkirchen St. Theresia vom Kinde Jesu in Heißen-Heimaterde und Heilig Geist in Holthausen.


Dieses Interview erschien am 22. Mai 2010 in der NRZ

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