Direkt zum Hauptbereich

Das Ruhrbistum prüft derzeit einen Missbrauchsverdacht gegen einen ehemaligen Priester der Gemeinde Heilig Geist: Fall liegt mehr als 30 Jahre zurück

Hat es auch in Mülheims katholischer Kirche einen Missbrauchsfall im Priesteramt gegeben? Der Vorwurf steht zumindest im Raum. Ein Priester, der vor mehr als 30 Jahren in der Holthausener Gemeinde Heilig Geist tätig war, wird verdächtigt. Das teilte Stadtdechant Michael Janßen am Samstagabend während eines Gottesdienstes sogar der Gemeinde mit. "Die Menschen waren sehr betroffen, aber auch sehr dankbar dafür, dass ich das Problem offen angesprochen habe", schildert Janßen die ersten Reaktionen.

"Wir sind hier zur Wahrheit und Klarheit verpflichtet und ich wollte mich nicht dem Verdacht aussetzen, irgendetwas zu vertuschen", betont Janßen. Auch wenn Janßen deutlich macht, dass sexueller Missbrauch kein kirchliches, sondern ein gesellschaftliches Problem sei, lässt er keinen Zweifel daran: "So ein Vorwurf trifft uns besonders hart, weil wir als Kirche einen hohen moralischen Anspruch haben."Der mutmaßliche Missbrauchsfall in Heilig Geist liegt bereits mehr als dreißig Jahre zurück und wäre somit juristisch verjährt. Der unter Verdacht stehende Priester lebt inzwischen im Ruhestand und wohnt auch nicht mehr in Mülheim.

Die Gemeinde Heilig Geist ist 2006 im Rahmen der Umstrukturierung des Bistums in der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt aufgegangen. Geblieben ist nur die Filialkirche in Holthausen.Trotz der juristischen Verjährung soll jetzt auch die Staatsanwaltschaft über den Fall informiert werden, "um möglicherweise auch Indizien zu ermitteln, die den verdächtigten Priester entlasten könnten", wie Bistums-Sprecher Ulrich Lota auf NRZ-Anfrage erklärt.Lota ist Mitglied des zehnköpfigen Arbeitsstabes, der die bischöfliche Beauftragte für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Bistum Essen, Dorothee Trynogga, berät. Ihm gehören fünf hauptamtliche Mitarbeiter des Bistums und fünf externe Fachleute an, darunter Juristen, Mediziner und Psychologen.Dieser Arbeitsstab hat bereits Gespräche mit dem verdächtigten Priester und dem vermeintlichen Missbrauchsopfer geführt, die den Verdacht nicht ausräumen konnten. Deshalb hat der Stab dem Bischof eine kirchenrechtliche Voruntersuchung empfohlen, die vom gemeinsamen Kirchengericht der Bistümer Köln und Essen durchgeführt wird. Je nachdem, ob diese kirchenrechtliche Voruntersuchung den unter Verdacht stehenden Priester be- oder entlastet, fällt dann auch die letztendliche Entscheidung der römischen Glaubenskongregation aus.

Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, droht dem Beschuldigten kirchenrechtlich als Höchststrafe die Entfernung aus dem Priesteramt.Der über 30 Jahre zurückliegende Verdachtsfall in Heilig Geist, gibt der am kommenden Samstag, 22. Mai, von 10 bis 12 Uhr von Mitgliedern der katholischen Stadtkonferenz auf dem Kurt-Schumacher -Platz geplanten Diskussionsaktion: "Missbrauch: Trotzdem stehen wir zu unserer Kirche" eine besondere Brisanz.

Dieser Text ist am 18. Mai 2010 in der NRZ erschienen

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…