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Styrum: Ein Stadtteil kämpft um seine Bücherei



Es wird eng auf dem Schulhof zwischen Willy-Brandt-Schule und der Gemeinschaftsgrundschule Styrum. Rund 1500 Schüler und Lehrer demonstrieren für nichts geringeres als das Recht auf Bildung. Und die findet in Styrum nicht nur in der Gesamtschule und den drei Grundschulen statt, die an diesem Dienstagvormittag in ihrer Forderung nach dem Erhalt der Schul- und Stadtteilbücherei an der Oberhausener Straße vereint sind.

Auch sie steht im Rahmen der kommunalen Haushaltskonsolidierung zur Disposition. Der Rat der Stadt entscheidet am 27. Mai. Haben die Schul- und Stadtteilbüchereien eine gute politische Lobby? "Ich hoffe es", sagt Lehrer und Sozialdemokrat Matthias Kocks. "Man kann die Eltern nicht auffordern, dass sie ihren Kindern vorlesen und etwas für deren Bildung tun, wenn man gleichzeitig Stadtteilbüchereien schließt. Auch Stadt und Schulen müssen das Ihrige zur Bildung von Kindern und Jugendlichen dazu tun", sekundiert die stellvertretende Leiterin der Willy-Brandt-Schule, Ingrid Lürig.Was sie in der Schul- und Stadtteilbücherei gelernt haben, machen Willy-Brandt-Schüler aus der Klasse 6d deutlich, indem sie auf einer Bühne Balladen von Goethe bis Ringelnatz als Rap vortragen, Direkt vor ihnen hat jemand ein Banner mit der Aufschrift
"Eine Schule ohne Bücherei ist wie ein Kind ohne eine Mutter" angebracht.
Willy-Brandt-Schüler Tim Cem-Blaszka beteiligt sich auf seine Weise am Protest für den Erhalt der Stadtteilbibliothek, indem er wie viele seiner Mitschüler auf einer Leseinsel Grundschülern vorliest. "Es ist für mich sehr entscheidend, dass ich mir meine Bücher direkt vor Ort besorgen kann und nicht erst in die Stadtmitte fahren muss, wenn ich mich zum Beispiel auf eine Klausur vorbereite", erklärt Tim, warum er die Bücherei in seiner Schule um keinen Preis missen möchte.Während die Gesamtschulkonrektorin Lürig am Beispiel der in der Jahrgangsstufe 12 zu erstellenden Facharbeiten deutlich macht, wie Jugendliche in der Bücherei das themen- und zielorientierte Recherchieren lernen, sagt ihre Kollegin Maria Schrader aus ihrer Sicht als Rektorin der Katholischen Grundschule Styrum: "Die Schul- und Stadtteilbücherei ist auch für unsere Kinder ein wichtiger Anlaufpunkt und ein wichtiger Faktor für ihre Bildung, weil sie hier nicht nur vormittags lernen, sondern auch nachmittags sinnvoll ihre Freizeit verbringen können."Ein riesiges Banner, das Schüler für diesen Tag gestaltet haben, bringt das Motto der Veranstaltung auf den Punkt: "Sparen! Aber nicht an Bildung", ist da zu lesen.
Weniger plakativ, aber nicht weniger eindrucksvoll sind die stillen fünf Minuten, in denen man nur noch Blätterrascheln auf dem Schulhof zwischen Oberhausener- und Augustastraße hört, weil dort 1500 Kundgebungsteilnehmer das tun, was ihnen die Stadtteilbücherei zu allererst ermöglicht: lesen."Die Bücherei wird wirklich ausgiebig genutzt. Hier lernen Schüler die Lust am Lesen und das selbstständige Recherchieren und Arbeiten mit Büchern. Deshalb hat ihr Erhalt nicht nur mit Kultur, sondern auch mit Bildung zu tun", betont Gesamschullehrer Markus Klingberg, der sich für das demonstrative Fünf-Minuten-Freiluft Lesen den Zukunfts-Thriller "Heiliger Zorn" mitgebracht hat.


Dieser Text erschien am 13. Mai in NRZ und WAZ

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