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Gedanken über den Generationenkonflikt: Im Theater an der Ruhr diskutierte der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering mit Theatermachern und dem Publikum über die Herausforderungen des demografischen Wandels

Helmut Schäfer und Franz Müntefering
„Alt werden ist nichts für Feiglinge“, wusste schon Billy Wilder. Aber wer will schon jung sterben? Das Leben ist ein Schauspiel, bis zu letzt. Und gerade das Alter hat seine tragischen und zugleich seine komischen Seiten. Doch bis zuletzt sucht jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg und seine persönlichen Freiräume. Das Theater an der Ruhr zeigt es mit seinem Stück „Clowns 2 ½“ amüsant und nachdenklich machend. Danach bittet Dramaturg Helmut Schäfer im Politischen Salon des Theaters den ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden, Vizekanzler und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering zur Diskussion mit den gut 100 Zuhörern aus allen Generationen.

Da kommen mit Blick auf den demografischen Wandel unserer Gesellschaft auch ungemütliche Fragen zur Sprache. „Wird es zu einem Verteilungskonflikt zwischen Alt und Jung kommen, wenn immer weniger Junge die Renten von immer mehr Alten erwirtschaften müssen? Können wir uns die Pflege im Alter überhaupt noch leisten, wenn unsere Berufs- und Erwerbsbiografie den einen oder anderen Bruch mit sich gebracht hat?“

Eine Antwort auf die daraus resultierende Altersarmut hat auch der 75-jährige Sozialpolitiker Müntefering nicht. „Es ist gut, dass wir 1995 die Pflegeversicherung geschaffen haben. Aber sie ist keine Vollkasko,- sondern nur eine Teilkaskoversicherung“, räumt der Sozialdemokrat ein. „Aber längst nicht alle Menschen werden im Alter pflegebedürftig“, macht Müntefering mit Blick auf die aktuellen Zahlen Mut.

Sein Rezept für ein gutes und gesundes Altwerden lautet: „Lernen, laufen und lachen!“ Angesichts einer weiter steigenden Lebenserwartung sieht er die Lebensperspektive der künftig noch zahlreicher werdenden Rentner nicht darin, „sich in die Hängematte zu legen und Kreuzworträtsel zu löse

n.“

Sein Appell an alle Bürger: „Wir müssen unseren Körper und unseren Geist möglichst lange bewegen, um auch noch im Alter Lebensqualität zu erfahren.“

Anders, als ein junger Mann, der sich als „politisch engagiert“ vorstellt und seine Sympathien für die Sozialdemokratie zu erkennen gibt, sieht Müntefering auch künftig keinen Generationenkonflikt heraufziehen, wenn es zum Beispiel um die Frage gehen sollte: Investieren wir in ein Altenheim und in eine Seniorentagesstätte oder in ein Schwimmbad und ein Jugendzentrum? „Wir werden nicht erleben, dass sich die reichen und die armen Alten gegen die armen und reichen Jungen zusammentun. Vielmehr geht es darum die Soziale Frage zu lösen, deren Auswirkungen quer durch die Generationen geht“, unterstreicht Müntefering.

Mit Blick auf das Thema der Generationen-Gerechtigkeit geht der Sozialdemokrat aber auch mit seiner eigenen Partei ins Gericht. „Über die Rente mit 63 und über die Mütterrente war ich nicht glücklich“, gibt Müntefering zu. Was ihn vor allem stört, ist die Tatsache, dass diese beiden Sozialleistungen aus der Rentenkasse finanziert werden, die durch den demografischen Wandel zunehmend belastet wird. Die Rente mit 63, so Müntefering, komme außerdem nur relativ wenigen Menschen zugute, die ohnehin aufgrund ihrer langen Erwerbsbiografie vergleichsweise gut gestellt seien. „Ich habe nichts gegen eine Mütterrente, aber die hätte man anders finanzieren müssen“, erklärt der ehemalige Bundesarbeitsminister.

Und dann macht er seinen Zuhörern zum guten Schluss noch einmal richtig Lust aufs Alter, in dem er eine alte Dame aus Karlsruhe zitiert, die jüngst bei ihrem 106. Geburtstag fröhlich festgestellt habe: „Nachdem ich jetzt meine beiden Kinder im Altenheim habe, geht es mir heute so gut, wie noch nie.“


Dieser Text erschien am 21. Dezember in der NRZ und in der WAZ

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