Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ein Tabuthema sucht die Öffentlichkeit: Die Aids-Hilfe braucht Spenden und ehrenamtliche Helfer

Natalie Rudi ist Geschäftsführerin
der Aids-Hilfe Oberhausen, die auch
für Mülheim zuständig ist.
(Foto: Aids-Hilfe Oberhausen)
In Europa gibt es wieder mehr HIV-Infektionen . Wie berichtet, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO festgestellt, dass die Zahl der Neuinfektionen binnen Jahresfrist von rund 132.000 auf 142.000 angestiegen ist. Für Mülheim können die Geschäftsführerin der Aids-Hilfe, Natalie Rudi, und Aids-Koordinator Dr. Hans-Jürgen Schmidt vom Gesundheitsamt dies nicht bestätigen.

Sie erleben in ihrer Beratungspraxis in der auch für Mülheim zuständigen Aids-Hilfe an der Oberhausener Marktstraße 165 und im Gesundheitsamt an der Heinrich-Melzer-Straße 3 stabile Fallzahlen.

Beide gehen auf der Basis der Berechnungen des Robert-Koch-Institutes davon aus, dass etwa 0,1 Prozent der aktuell rund 169.000 Mülheimer HIV-Positiv sind. Das wären dann 169 Personen. Mit genauen Zahlen tun sich Rudi und Schmidt schwer, weil eine HIV-Infektion nicht meldepflichtig ist und auch die HIV-Tests beim Gesundheitsamt anonym sind. Rudi geht davon aus, dass monatlich etwa drei bis fünf neue Klienten mit einer HIV-Infektion in die Beratungsstelle kommen. Auch wenn es derzeit noch keinen sichtbaren Anstieg gibt, fürchtet Rudi, „dass uns diese Anstiegswelle zeitverzögert erreichen wird, weil viele Menschen das Risiko einer HIV-Infektion nicht mehr so stark auf ihrem Radar haben, wie noch in den 80er und 90er Jahren.“ Damals warb die Bundesregierung noch mit TV-Spots, wie: „Rita, was kosten die Kondome?“ für einen vorbeugenden Schutz vor einer HIV-Infektion.

Auch wenn der medizinische Fortschritt die Lebenserwartung von HIV-Infizierten enorm verlängert hat, bleibt eine HIV-Infektion ein unheilbares und im Zweifel tödliches Risiko. Schmidt und seine fünf Kolleginnen von der Aids-Hilfe versuchen mit Aufklärung, Beratung und Begleitung vorzubeugen und zu helfen. Schmidt berät jährlich 400 Ratsuchende, (die aber nicht unbedingt HIV-positiv sind) und führt rund 300 HIV-Tests durch. Die Aids-Hilfe berät jährlich rund 300 Klienten. Sie betreut außerdem rund 100 HIV-infizierte Menschen und 45 Angehörige.

„Wir sind als Aids-Hilfe nicht nur auf Spenden, sondern auch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die uns bei der Telefonberatung oder bei der Begleiitung von HIV--infizierten Menschen helfen können“, unterstreicht Natalie Rudi. Aktuell unterstützt die Stadt Mülheim die Arbeit der Aids-Hilfe mit jährlich 20.000 Euro. Von der Stadt Oberhausen werden pro Jahr knapp 120.000 Euro zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen Landesmittel in Höhe von 30.000 Euro.

Die Aids-Hilfe an der Marktstraße 165 in Oberhausen ist unter 0208/80 65 18 erreichbar. Weitere Informationen findet man im Internet unter: www.aids-hilfe-oberhausen.de



Dieser Text erschien am 1. Dezember 2015 in der NRZ und in der WAZ

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