Direkt zum Hauptbereich

Die Kulturfrau aus dem Kloster: Sabine Klischat

Sabine Klischat
Eigentlich wollte Sabine Klischat Journalistin werden. Doch dann hat sie sich für ein weltliches Berufsleben im Kloster entschieden und ihre Entscheidung bis heute nie bereut. „Auch wenn ich ursprünglich mal Journalistin werden wollte, fühle ich mich mit meiner Arbeit hier sehr wohl. Denn ich kann sehr frei und selbstständig arbeiten“, berichtet die 49-Jährige.

Während ihres Philosophie- und Germanistikstudiums an der Universität Duisburg-Essen kam sie 1990 zum ersten Mal ins Kloster Saarn. Ein Praktikum öffnete die Türen Damals half sie als Praktikantin beim Ruhrsommer aus, plante und organisierte Veranstaltungen, telefonierte mit Künstlern, recherchierte und schrieb Pressetexte oder gestaltete Plakate. „Ein bisschen Journalismus steckt auch heute noch in meiner Arbeit“, sagt Klischat. Auch wenn sie im Mai eine Reihe mit Literaturverfilmungen im Kloster Saarn über die Leinwand flimmern lassen kann, sind Arbeit und Leidenschaft zwei Seiten der selben Medaille. Als Leiterin der Bürgerbegegnungsstätte ist Klischat auch Kommunikatorin und Netzwerkerin. Nur gemeinsam mit anderen Akteuren aus dem Stadtteil, ob Klosterfreunde und Bürgerverein, Männergesangverein oder Buchhandlung, ob Pfarrgemeinde und Katholische öffentliche Bibliothek. Zusammen mit anderen Akteuren läuft das Veranstaltungsprogramm im Kloster Saarn erst richtig rund.

„Diese Stelle zu bekommen, war für mich ein großer Glücksfall“, sagt Klischat. Denn, wie das Leben so spielte, wechselte ihre Vorgängerin, Karin Braun, just in dem Moment in einen anderen Arbeitsbereich des städtischen Kulturbetriebes, als sie ihr Studium abgeschlossen hatte.

Dankbar ist Sabine Klischat auch dafür, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes, Moritz, mit Silke Steinen eine tatkräftige und hilfreiche Kollegin bekommen hat, die es ihr ermöglicht an einem Tag der Woche frei zu haben und so Familien- und Berufsleben besser unter einen Hut bringen zu können. Klischat schätzt, dass jedes Jahr rund 8000 Menschen die über 30 Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen im Kloster Saarn besuchen. „Die vor 25 Jahren eröffnete Bürgerbegegnungsstätte sorgt für kurze Wege zur Kultur“, findet Klischat.

Und auch wenn sie nur für das weltliche Geschehen im Kloster zuständig ist, spürt Sabine Klischat auch heute noch bei ihrer Arbeit, „die spirituelle und beruhigende Atmosphäre dieses geistlichen Ortes, an dem über 600 Jahre gebetet und gearbeitet wurde.“ Und sie freut sich darüber, dass das Angebot und die Atmosphäre dieses besonderen Ortes auch in der heutigen Schnelllebigkeit vom Publikum dankbar angenommen wird.

Dieser Text erschien am 5. Dezember 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…