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Zwischen Beruf und Berufung: Ein Porträt der Künstlerin Barbara Schöttle zu den Tagen der offenen Ateliers



Für die Malerin Barbara Schöttle ist die Kunst nicht nur schön. Sie ist lebensnotwendig. Für die 49-Jährige ist ihre Kunst Beruf und Berufung. Sie ist eine von 24 Mülheimer Künstlern, die ihre Ateliers am 7. und 8. November für kunstinteressierte Besucher öffnen werden.
Das harte Brot der Kunst hält die Malerin Barbara Schöttle und ihre Künstlerkollegen nicht davon ab, ihre Berufung zu leben, um sich auszudrücken und Anstöße zu geben. Für Schöttle ist die Kunst nicht nur schön. Sie ist lebensnotwendig. Für die 49-Jährige ist ihre Kunst Beruf und Berufung. Sie ist eine von 24 Künstlern, die ihre Ateliers am 7. und 8. November für kunstinteressierte Besucher öffnen werden.


Es ist für Schöttle und ihre Kollegen aus der aktuell 67 Mitglieder zählenden Arbeitsgemeinschaft eine besonders gute Gelegenheit, das zu bekommen, was des Künstlers Brot ist: der Kontakt zu Menschen, die sich für ihre Kunst interessieren und unter Umständen sogar bereit sind, diese zu kaufen.

Letzteres ist, das gibt Schöttle zu, der schwerste Akt. "Viele Menschen kommen in mein Atelier und sind von meinen Bildern begeistert und würden sie sicher sofort mitnehmen, wenn sie sie geschenkt bekämen. Aber mit dem Kaufen von Kunst tun sich die meisten dann doch schwer." Gerne erinnert sie sich an das Vorstandmitglied eine großen Metallindustrieunternehmens, das ihr eines ihrer Bilder für 3000 Euro abkaufte. Doch so etwas kommt nicht jeden Tag vor, sondern ist für Schöttle und ihre Kollegen eher wie ein Sechser im Lotto. Und ehe eines ihrer starken Ölgemälde, die in ihrer nicht gegenständlichen Art irgendwie doch fast fotografisch, wie Seelenlandschaften anmuten, an die kunstsinnige Frau oder den Mann gebracht werden kann, muss die Künstlerin nicht nur Zeit, Kraft und Kreativität, sondern auch viel Geld für Farben und Leinwände ausgeben. "Wenn man am Ende mit seiner Kunst plus-minus-null herauskommt, hat man Glück gehabt", sagt sie. Das hört sich nach kommerzieller Kargheit an. Kann man also von der Kunst leben? Schöttle sagt es so: "Die Künstler, die ich kenne, haben alle eine Berufung und einen Brotberuf."

Die künstlerische Berufung ist für Schöttle der allen kommerziellen Kunstmoden trotzende Wille, "sich als Künstler ausdrücken zu wollen und vor allem aus seinem Gefühlsleben heraus etwas darzustellen."

Ihr Brotberuf ist das Lehramt für Kunst, Sport und Franzöisch an einer Wülfrather Realschule. Kunstlehrerin und Künstlerin, das liegt ja irgendwie auch nahe beieinander. Aber sie kennt auch viele Kollegen, die sich den Unterhalt für ihr Künstlerleben sehr viel profaner verdienen müssen, zum Beispiel als Nachtwächter in einem Krankenhaus oder als Mitarbeiter in einem Copy-Shop. Manchmal sind es aber auch der Staat, der in Form von Arbeitslosengeld II, oder ein gutverdienender Ehepartner, die die materielle Basis oder zumindest das Überleben der Künstlerexistenz sicher. Kunst scheint also tatsächlich ein hartes Brot zu sein.
"Die Hoffnung stirbt immer zuletzt", umschreibt Schöttle den trotzigen Zweckoptimismus, den Künstler brauchen, die auf dem Kunstmarkt unterhalb des Bekanntheitsgrades und Marktwertes von Immendorf, Lüpertz und Co. operieren müssen. Da helfen nur Mund-zu-Mund Propaganda, am besten Empfehlungen durch bekanntere Künstler, Ausstellungen, Stipendien, Tage der offenen Ateliers oder auch die Teilnahme an Kunstwettbewerben. Doch bei solchen, in Fachzeitschriften ausgeschriebenen Wettbewerben, einen ersten Preis zu gewinnen, gleicht noch eher einem Sechser beim Lotto als der Kontakt zu einem zahlungskräftigen Kunstfreund. "An solchen Wettbewerben nehmen vielleicht knapp 1000 Künstler teil. 40 bis 50 kommen in die engere Wahl. Und einer gewinnt dann den ersten Preis", beschreibt Schötlle die Erfolgschancen. Das ist wirklich ernüchternd.
Obwohl sie bisher noch keinen renommierten Kunstpreis gewinnen konnte, hatte die Frankreich-Liebhaberin, die sich bei ihren aktuellen Bildern von den Felsen der Bregtagne inspirieren ließ, just in diesem Juli ihr ganz eigenes Erfolgserlebnis: Einen Monat konnte sie in Nantes als Stipendiatin leben und arbeiten und anschließend dort bei einer Ausstellung sogar einige Bilder verkaufen. Manchmal können eben auch Künstlerinnen ein Sommermärchen erleben.

Kein Wunder, dass Schöttles Eltern inzwischen "richtig stolz" auf das künstlerische Schaffen ihrer Tochter sind, obwohl sie es anfangs mit großer Skepsis sahen, als Barbara Schöttle ihren ersten Beruf als Technische Zeichnerin bei Siemens aufgab, um anschließend erst das Abitur nachzuholen und danach an der Uni Essen Kunst zu studieren.
Weitere Informationen im Internet unter: http://www.barbara-schoettle.de/

Wer macht mit bei den Tagen der offenen Ateliers?

Am kommenden Wochenende 7. November (14 bis 20 Uhr) und 8. November (12 bis 18 Uhr) öffnen folgende Künstler ihre Ateliers:
Detlef Kelbassa, Corinna Kuhn, Heike Plaßyk, Auerstraße 20 ( 80 44 98); Uwe Dieter Bleil, Holzstraße 21 ( 42 92 34); Alfred Dade, Kellermannstraße 26 (alfred.dae@t-online.de); Marta M. Deli, Peter Helmke, Folkenbornstraße 52 ( 437 56 56); Peter Flach, Oppspring 64 ( 42 98 25); Marianna Goldbach, Fängerweg 9a ( 86 29 37); Gabriele Klages, Finkenkamp 18 ( 0171/53 42 387); Kuno Lange, Tinkrathstraße 60 ( 37 53 24); Ernst Rasche, Teinerstraße 18a ( 39 01 60); Eberhard Ross, Dirk Hupe, Kirchstraße 126 ( 594 32 54); Dirk Salz, Aktienstraße 69 ( 0160/47 13 920); Vera Herzogenrath, Hiroko Inoue, Rainer Komers, Ralf Rassloff, Schloß Styrum, Moritzstraße 102; Barbara Schöttle, Von-Bock-Straße 14 ( 388 08 83); Ursula Vehar, Wertgasse 18 ( 38 16 19); Imdre Videk, Zeppelinstraße 81 ( 444 25 58); Wolfgang Vogelsang, Fängerweg 7a ( 75 41 28); Georg Weber, Hantenweg 27 ( 48 16 24).
Ein umfassendes Infoblatt zu den Tagen des offenen Ateliers liegt im Medienhaus und im Kunstmuseum Alte Post am Synagogen- und Viktoriaplatz aus.

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