Donnerstag, 26. November 2009

Die Gutsav-Heinemann-Schule hat ihr Förderprogramm Lernen individuell erweitert und lädt in der kommenden Woche zu Informationsabenden ein



LEIV – das steht an der Gustav-Heinemann-Schule für Lernen individuell. Dahinter verbergen sich Förderkurse für die Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10, die seit ihrer Einführung 2006 kontinuierlich weiterentwickelt und ausgebaut worden sind.

"Wir haben als Gesamtschule eine sehr heterogene Schülerschaft und wollen alle mitnehmen", erklärt der für die Jahrgangsstufen 9 und 10 zuständige Abteilungsleiter Manfred Linden das Ziel des Förderprogramms, das inzwischen rund 80 verschiedene Kursangebote umfasst und je nach Jahrgang und Bedarf mit ein bis drei Wochenstunden in den Stundenplan integriert wird. Das funktioniert natürlich nur mit einer entsprechenden Lehrerausstattung. Deshalb ist Schulleiterin Christa van Berend froh darüber, dass sie jetzt zwölf neue Lehrer einstellen kann.
LEIV will die Lernmotivation der Schüler stärken, individuelle Stärken und Schwächen entdecken und sowohl die Übergänge von der Grund- auf die Gesamtschule sowie den Übergang vom Schul- ins Berufsleben begleiten. Welche individuellen Stärken und Schwächen wie gefördert werden sollen, wird in der Jahrgangsstufe 5 getestet. Ein kontinuierlicher Beratungsprozess, in den die Lehrer Schüler und Eltern einbeziehen, überprüft den aktuellen Leistungsstand des Schülers und passt das individuelle Förderprofil an. Fokussierten sich die LEIV-Kurse anfangs ausschließlich auf Lernmethodik und die klassischen Leistungsfächer Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften und Fremdsprachen, so nehmen die Pädagogen an der Schule inzwischen zunehmend auch soziale, berufspraktische, gedundheitliche und begabungsorientierte Förderaspekte in den Blick.
Wie LEIV erweitert und ausdifferenziert worden ist, lässt sich an einigen Beispielen zeigen: So werden die 5. und 6. Klassen jetzt regelmäßig von Patenschülern aus der Oberstufe begleitet. In Klassenstunden, Einzelgesprächen oder auch bei Klassenfahrten sollen sie mit ihrer Schulerfahrung nicht als Hilfpädagogen fungieren, aber den jüngeren Schülern zum Beispiel in Streitfällen vermittelnd zur Seite stehen und helfen, Konflikte zu deeskalieren und gleichzeitig das Gruppengefühl der Klassen zu stärken.
"Zu einem älteren Schüler hat man eher einen freundschaftlichen Bezug als zu einem Lehrer", beschreiben die Sechstklässlerinnen Thea Schäfer und Sophia Fritz den Vorzug der Paten aus den Pädagogikkursen der Oberstufe. "Die Paten sorgen auf jeden Fall für ein besseres Klima in der Klasse und können sich Schülersorgen viel unvoreingenommener anhören", glaubt Schülersprecher Dennis Albers aus der Jahrgangsstufe 12. Wie alle Paten aus der Oberstufe hat er eine Streitschlichterausbildung absolviert und zuletzt eine Klassenfahrt begleitet, die er als pädagogisches Praktikum anerkannt und zertifiziert bekommen hat. Van Berend sieht die Schülerparten als gute Vorbeugung von Mobbing und Gewalt.
Nicht nur in der Schule, sondern auch im Stadtteil übernehmen 22 Neuntklässler Verantwortung, die sich im Rahmen des LEIV-Kurses Soziale Kompetenz und Werteerziehung regelmäßig in Jugendzentren, Seniorenheimen, Kindertagesstätten, Grundschulen oder bei der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung engagieren.

Das Spektrum ihrer sozialen Tätigkeiten kann vom Spaziergang mit einem alten Menschen über Hausaufgabenhilfe und gemeinsames Spielen mit Kindern bis zur Einkaufsassistenz für einen geistig behinderten Menschen reichen. "Die Schüler lernen andere Lebensbereiche kennen, müssen auf andere Menschen zugehen, zuverlässig arbeiten und bekommen so auch Einblick in die Berufswelt. Das fördert ihre Persönlichkeitsentwicklung", ist Brigitte Walter-Böing überzeugt, die als federführende Lehrerin die Einsätze der Schüler koordiniert, die am Ende eines Schuljahres mit einem Ehrenamtsnachweis dokumentiert werden. Um Schülern der Jahrgangsstufen 9 und 10 bei der praktischen Vorbereitung auf das Berufsleben helfen zu können, hat die Gustav-Heinemannschule Kooperationsverträge mit verschiedenen Unternehmen, wie etwa der Deutschen Bahn oder der Barmer Ersatzkasse geschlossen ein Berufsorientierungsbüro eingerichtet, das Raum für Bewerbungstraining und die Simulation von Vorstellungsgesprächen bietet.
Eine ganz andere Persönlichkeitsförderung erfahren der Fünftklässler Nils Wenning und seine Jahrgangskollegen im LEIV-Forscherkurs. Hier bekommen besonders begabte Schüler wie Nils, der von sich sagt: "Ich kann vom Wissen nie genug bekommen", das geistige Futter, das Sie brauchen, im regulären Lehrplan aber nicht finden können. Und so erzählt Nils begeistert von seinen Bibliotheks- und Internetrecherchen für ein Referat über sein Lieblingsthema: die Geschichte der Raumfahrt.
Last, but not least wird im Rahmen von LEIV nicht nur der Geist, sondern auch die Gesundheit und körperliche Fitness der Schüler gefördert. Hierfür setzt man zum Beispiel auf eine Kooperation mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse AOK und dem Mülheimer Sportbund, aber auch auf eine wissenschaftliche Begleitung durch die sportwissenschaftlichen Institute der Universitäten Essen-Duisburg und Düsseldorf, wenn es zum Beispiel um praktische Bewegungsförderung, aber auch um aufklärende Informationen über gesunde Ernährung geht. Dabei richten sich entsprechende Informationsangebote nicht nur an Schüler, sondern auch an ihre Eltern. Schulleiterin Christa van Berend legt bei der Zusammenarbeit mit Sportvereinen, die sich zuletzt bei einem Sportfest an der Gustav-Heinemann-Schule vorstellen konnten, keine Einbahnstraße wird. Während die Vereine unter anderem daran interessiert sind, dass sich Oberstufenschüler zu Übungsleitern ausbilden lassen, geht es der Schule auch darum, gerade Schüler mit Bewegungsdefiziten durch individuelle Angebote der Vereine an sportliche Aktivität heranzuführen.

Die Gustav-Heinemann-Schule an der Boverstraße 150 lädt Eltern von Viertklässlern am 30. November und am 2. Dezember (jeweils um 19.30 Uhr) zu einem Infoabend ein. Internet: www.gustav-ghs.de

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