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Was reife Jecken begeistert: Eindrücke von der Seniorensitzung Lachende Herzen

Auch wenn diesmal einige Plätze im Theatersaal der Stadthalle frei blieben, bleibt es dabei: Die Seniorensitzung ist für die Karnevalisten, was die Westkurve auf Schalke für die Fußballer. 1000 Senioren gehen mit, klatschen, schunkeln und sie können auch mit singen. Das weiß Oberbürgermeister Ulrich Scholten sehr zu schätzen. Unter der Narrenkappe löst er vor den reifen Jecken das Versprechen ein, das er den Tollitäten geben musste. Mit musikalischer Rückendeckung der Ein-Mann-Kapelle Horst Herrmann singt er den Karnevals-Klassiker „Echte Fründe stonn zusammen!“ Und weil’s so schön war, gibt er dem Publikumsverlangen nach: Zugabe mit „O, mein Papa!“

Auch die schrecklich schöne Liselotte Lotterlappen, die sich bei genauerem Hinsehen als echter Kerl, namens Joachim Jung erweist, kommt nicht ohne Zugabe von der Bühne. Und das, obwohl der Mann, der als Frau auftritt, nicht nur singt: „Theater, Theater. Der Vorhang geht auf“, sondern auch kräftig austeilt. Erst muss das Publikum daran glauben: „Sind Sie jetzt auch in dem selben Alter wie ich, in dem Happy und Birthday getrennte Wege gehen?“ Oder: „Geht es Ihnen auch so wie mir. Jetzt gehe ich mit meinem Mann schon seit 20 Jahren auf Trödelmärkte, aber ich werde ihn einfach nicht mehr los!“ Die Lacher hatte die lästernde Liselotte auch auf ihrer Seite, als sie dem Publikum für einen Moment den Rücken zukehrte und sich über den närrischen Adel der Ruhrstadt hermachte, der es sich auf der Bühne hinter dem Sitzungspräsidenten Heino Passmann gemütlich gemacht hatte. O-Ton Liselotte: „Hier sitzen ja einige Leute, die stehen bestimmt schon unter Denkmalschutz.“

Gut Lachen hatte an diesem Nachmittag auch Sitzungspräsident Heino Passmann. Denn der frisch gekürte Ritter vom schiefen Turm bekam die höchste Auszeichnung des Bundes Ruhrkarneval, den Schwarzen Diamanten.

„Da werde ich doch etwas wackelig auf den Beinen. Hoffentlich kann ich gleich noch weiter moderieren“, gab sich Ex-Prinz Heino Passmann kleinlaut. Aber er moderierte natürlich problemlos weiter. Denn er ist eben ein lang gedienter ehrenamtlicher Karnevalsprofi.


Dieser Text erschien am 30. Januar 2018 in NRZ & WAZ

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