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Überzeugende Premiere am Raffelberg: Authentisch und emotional inszenierte das Junge Theater an der Ruhr Kleists „Die Marquise von O“

Rupert Seidl und Thomas Schweibeeer
in Kleists  "Die Marquise von O"
Foto: Theater an der Ruhr
Was hat uns Heinrich von Kleist mit seiner „Marquise von O“ heute noch zu sagen? Eine Menge. Das  zeigte jetzt die Premiere im Jungen Theater an der Ruhr. Esther Hattenbach (Regie) und Sven Schlötcke (Dramaturgie) machten die Bühne zum Laufsteg. Die Schauspieler traten zum Teil aus dem Publikum heraus auf die Bühne.

Trotz eines minimalistischen Bühnenbildes, das letztlich nur aus einigen Stühlen bestand, sorgten Joanna Kitzi, Gabriella Weber, Nico Ehrenteit, Oliver Kerstan, Thomas Schweiberer und Rupert Seidl mit ihrer überzeugenden Schauspielkunst für eine Emotionalität und eine packende Atmosphäre, der man sich als Zuschauer nicht entziehen konnte und wollte. Der Applaus und die Bravo-Rufe zum guten Schluss waren der konsequente Lohn für den leidenschaftlichen Einsatz auf der Bühne.

Dass die Schauspieler mit ihren Charakteren so authentisch rüberkamen und deren Zerrissenheit zu spüren war, hatte auch mit der gut eingestellten Ton- und Lichttechnik zu tun. Scheinwerfer und Standmikrofone entlang des Bühnenstegs sorgten dafür, dass alle Zuschauer alles und jeden zu jedem Zeitpunkt sehen und hören konnten. Dem Ton- und Lichtteam aus Franz-Josef Dumcius, Gerd Posny, Frederik Loef, Jochen Jahnke und Fritz Dumcius sei Dank.
 Auch die musikalische Begleitung durch Oliver Kerstan zeigte sich als dramaturgischer Gewinn, der die emotionalen Wellenbewegungen der Inszenierung untermalte.

Was das Stück und seine Inszenierung zeitlos aktuell und sehenswert machen, ist die gelungene Darstellung der menschlichen und moralischen Zerrissenheit zwischen dem, was Menschen tatsächlich sind und brauchen und dem, was sie nach außen als Teil der Gesellschaft sein wollen.
Diesem Dilemma zwischen dem sozialen Anspruch und der daraus resultierenden Rolle und den urmenschlichen Sehnsüchten und Bedürfnissen sind wir heute genauso ausgesetzt, wie zu Kleists Zeiten.

Dieser Text erschien am 17. Februar 2018 in NRZ & WAZ

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