Das Organisationstalent: Unterwegs mit der Leiterin der städtischen Poststelle Zübeyde Cilga

Ein Blick auf den Artikel in der Lokalausgabe der NRZ
Wer Zübeyde Cilga begegnet, trifft eine Frau, bei der die Post abgeht. Und das nicht nur beruflich.

Denn die Leiterin der städtischen Poststelle, die mit vier Geschwistern aufgewachsen ist und zwei inzwischen erwachsenen Söhnen das Leben geschenkt hat, ist ein Familienmensch.
Wenn die 49-Jährige nicht in den fünf Räumen der Poststelle im Rathauskeller zwischen Rathausmarkt und Friedrich-Ebert-Straße unterwegs ist, ist sie  am liebsten mit Familienangehörigen und Freunden auf Tour. Doch bevor sich die Styrumerin beim Familienspaziergang an der Ruhr oder beim Einkaufsbummel ein Eis gönnen kann, muss sie von Amts wegen dafür sorgen, dass bei der Stadt die Post abgeht.

Sechs Kollegen und ein Auszubildender stehen ihr dabei zur Seite.
An diesem Arbeitstag, der, wie immer, umd sieben Uhr mit dem Check der eingegangenen E-Mails beginnt, schickt stellen ihr Team und sie die Briefe und Päckchen abhol-fertig für die Kollegen von der Post und die Pia bereit.

Danach bespricht sie mit Techniker Raimund Hirtz die Installation der neuen Frankiermaschine. „Die kann nicht nur Adressen, Absender und Portostempel, sondern auch Logos, wie etwa eine grüne Tanne mit dem Wunsch ’Frohe Weihnachten’ drucken, schildert der Techniker die Vorzüge der Maschine, deren Erscheinungsbild an eine Bügelmaschine erinnert.

„Rund eine Million Poststücke verlassen jährlich das Rathaus. Und alles was raus geht, kommt auch irgendwann wieder rein“, beschreibt Cillga der Poststelle, die sie seit zwölf Jahren leitet. „Ich habe vor 26 Jahren als Reinigungskraft angefangen. Danach habe ich als Botin gearbeitet, ehe ich vor 20  Jahren in die Poststelle wechselte“, beschreibt die in Anatolien geborene und in Styrum aufgewachsene Mülheimerin ihren beruflichen Werdegang. „Ich war mit meiner Arbeit in der Poststelle zufrieden. Doch mein damaliger Chef Klaus Kiesewalter fragte mich immer wieder: ‘Sie haben eine gute Ausbildung und können gut organisieren. Wollen Sie nicht mehr?’“, erinnert sie sich an frühe Gespräche mit ihrem Vorgänger.

Wenn man sie heute mit freundlicher Bestimmtheit durch die erstaunlich aufgeräumte Poststelle wirbeln sieht, in der kein Brief einfach so herum liegt, weil alle ein- und ausgehenden Briefe und Pakte sofort in Regale, Ablagefächer oder gelbe Postkisten wegsortiert werden, muss man Kiesewalter Menschenkenntnis bestätigen. Die Arbeitsatmosphäre mutet locker an. Aber windstille Ecken gibt es nicht. Die Chefin hat Weintrauben für den Vitamin-Haushalt mitgebracht. Ob beim Sortieren, Frankieren oder beim  Befüllen der Kuvertiermaschine: Cilga arbeitet an diesem Tag verstärkt mit, „weil“, wie sie berichtet: „Unser Auszubildender in der Berufsschule ist und eine Kollegin einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.“

Und dann wird ihre Routinearbeit unterbrochen. Zwei Kollegen aus dem Sozialamt kommen mit 1000 Briefbögen und einem Faltblatt vorbei, die als Einladung zu einer Quartierswerkstatt verschickt werden sollen. Cilga hilft ihren Kollegen beim Vorsortieren, damit sich die Kuvertiermaschine nicht verschluckt.
Kaum rattern die Einladungsschreiben durch die Machine, kommt auch schon ein Anruf aus dem kommunalen Finanzmangement. Überstunden winken. Cilga bespricht mit ihrem Kollegen, wann und wie die entsprechenden Steuerbescheide verschickt werden müssen, wenn der Rat der Stadt im Dezember die Grundsteuer anheben sollte. Solche Post bekommt kein Mülheimer gerne. Das gilt natürlich auch für Bußgeld- oder Gebührenbescheide, die Poststelle im historischen Rathaus-Block C täglich verlassen, damit die Stadtkasse gefüllt werden kann und die Stadt die von ihren rund 3000 Mitarbeitern ausgeführten Dienstleistungen aufrechterhalten kann.

Apropos Finanzen. Welches Amt welche Post mit welchem Porto verschickt hat, kann Cilga jederzeit auf ihrem Computerbildschirm nachvollziehen.“Wir versuchen unsere Portokosten zu optimieren“, erklärt      Cilga. Davon erzählen auch die gelben Postkisten, in denen allle Briefe gesammelt werden, die innerhalb der Stadt verschickt werden. „Für diesen Briefverkehr bekommen wir als Stadt von der Post einen Bonus und müssen nicht die für einen Standardbrief üblichen 70 Cent bezahlen. Und in einer Wand voller Ablagefächer werden täglich die Postsendungen an benachbarte Stadtverwaltungen, die Bezirksregierung oder andere Institutionen sortiert, mit denen die Stadtverwaltung regelmäßig korrespondiert. „Wenn wir so etwa drei Briefe an die Bezirksregierung in einem Din-A-4-Umschlag für 1,45 Euro verschicken, statt jeden Brief einzeln in einem C-6-Umschlag für 70 Cent, spart das übers Jahr eine Menge Geld, erklärt die Leiterin der städtischen Poststelle den Mehrwert des porto-optimierten Versands. Kein Porto, aber die Kurier-Kosten für die Pia fallen beim rathaus-internen-Postverkehr zwischen den Ämtern an. „Früher wurde die Amtspost mit dem Boten-Wagen in jedes Vorzimmer der jeweiligen Amtsleitung gebracht und dort auch wieder abgeholt. Heute haben wir im Historischen und im Technischen Rathaus drei zentrale Sammelstellen, über die der Versand und die Verteilung der Rathaus-Post organisiert werden“, erläutert Cilga einen weiteren der finanzpolitischen  Optimierung geschuldeten Rationalisierungsschritt.

Dass die Stadt, trotz des Verzichtes auf betriebsbedingte Kündigungen, nicht erst seit gestern auch an ihrem Personal sparen muss, kann Cilga an der Tatsache ablesen, dass die Mitarbeiter-Zahl in der Poststelle in ihrer Zeit dort von 13 auf sieben zurückgegangen ist. Doch wenn die letzten Post- und Pia-Kurier mit ihrer Ladung die Poststelle verlassen haben, heißt es für Cilga und ihr Team „Feierabend!“ Bis 2013 ging für die Leiterin der städtischen Poststelle dann der Arbeitstag im Restaurant ihres Mannes weiter. Doch dieses Restaurant ist seitdem Geschichte. Jetzt kocht Zübeyde Cilga nur noch daheim für ihren Mann und ihre Söhne im Hotel Mama.

Dieser Text erschien am 31. Januar in der Neuen Ruhr Zeitung

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