Da ist Musik drin

Wer, wie ich, an der Schloßstraße wohnt, braucht kein Radio. Er muss nur das Fenster öffnen. Dann kann er sicher sein, dass irgendein Straßenmusikant, ob mit der Geige, E-Gitarre, der Panflöte, der Trompete oder einem Saxophon alles spielt, was die Notenblätter hergeben. "Spanisch Eyes", "An der schönen blauen Donau oder wenn es mal wieder so weit ist: "Alle Jahre wieder"!

Als Zuhörer muss man natürlich eine gewisse musikalische Toleranz mitbringen. Denn nicht jeder Musiker, der auf der Straße steht, könnte auch bei den Wiener Philharmonikern unter Vertrag stehen. Aber dafür spielen sie ja auch ohne jede Gage oder den Anspruch auf Gema- oder Rundfunkgebühren.

Und wenn man bei manchen Musikern, die auch jetzt bei winterlichen Temperaturen unverfroren und unverdrossen weiter spielen, den einen oder anderen Groschen ins Körbchen oder in den Geigenkasten fallen lässt, würde man sich schon wünschen, dass mal der Dirigent eines großen Orchester vorbei käme, um sie und ihr Talent zu entdecken.

Doch ich fürchte, dafür müsste in der Innenstadt noch etwas mehr Musik drin sein, damit sich der eine oder andere Bernstein unserer Tage dort hin gezogen fühlen könnte. Immerhin hat, wie berichtet, der Mülheimer Georg Reinders, mit Hilfe des Bürgermitwirjungsbudgets einen Konzertrundgang durch die Innenstadt organisieren können. Und die Initiative Kultur in Mülheim lädt regelmäßig zur Kaffeehausmusik in Ricks Cafe am Synagogenplatz. Der Auftakt ist also schon mal gemacht. Sage also noch ein Musikfreund in der Innenstadt: "I cant get no satisfaction?" Und was ist mit dem gar nicht so wohlklingenden Rest der innerstädtischen Straßenmusik? Da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Dieser Text erschien am 22. Februar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung


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