Sonntag, 23. April 2017

Alles Bahnhof oder was? Ein Zeitsprung an der Friedrich-Ebert-Straße

Der alte Mülheimer Bahnhof um 1920
Foto: Stadtarchiv
Dieses Foto, das Mülheims alten, 1910 errichteten „Hauptbahnhof“ an der Friedrich-Ebert-Straße zeigt, verdanken wir Lore Kronenberger aus der Stadtmitte, die uns einen Band mit alten Mülheimer Stadtansichten vorbeigebracht hat, den sie 1989 von einer Bekannten geschenkt bekommen hat.

Das Gebäude, das wir auf der historischen Aufnahme sehen, wurde im Oktober 1975 abgerissen. Geblieben ist der eher unscheinbare S-Bahnhof Mülheim West, der gleich gegenüber der Friedrich-Wilhelms-Hütte und der Firma Thyssen-Krupp-Schulte in einem kleinen Gewerbegebiet gelegen ist.

Früher schauten die Reisenden, die aus dem alten „Hauptbahnhof“ traten, der diesen Namen offiziell nie getragen hat, gleich auf ein Zementwerk. Deshalb hieß der Bahnhof, über den der Fernverkehr mit D-Zügen abgewickelt wurde, im Volksmund auch „Zementbahnhof“! An diesem Bahnhof wurden die Züge mit zwei Lokomotiven bespannt, um mit deren Zugkraft über den Heißener Berg in Richtung Essen zu kommen.

An diesem Bahnhof starteten nicht nur angenehme Fernreisen. Hier spielten sich auch menschliche Dramen ab. Hier  fuhren Soldaten an die Front und jüdische Mitbürger wurden in die Vernichtungslager der Nazis deportiert.

Von hier aus startete am 1. März 1862, kurz nach 7 Uhr morgens auch der erste Zug, der Mülheim passierte und mit seinen Nachbarstädten verband. Dass sich der Industrielle August Thyssen 1870 mit seinem ersten Stahlwerk in Styrum niederließ hatte wesentlich mit diesem Bahnanschluss zu tun, an dem bis 1910 ein einfaches Holzhaus stand.

Dieser Text erschien am 10. April 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung


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