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Gelungener Start in die Tollen Tage: Gut 200 Närrinnen und Narren kamen gestern zum Rathaussturm der Möhnen. Oberbürgermeister Ulrich Scholten hatte beim Wettkampf um die Stadtschlüssel keine Chance

OB Ulrich Scholten und Prinz Klaus I. (Groth) nach ihrem Kampf
und die Stadtschlüssel. Rechts sieht man die Möhne und 
Bürgermeisterin Ursula Schröder

Wer hätte das gedacht? Oberbürgermeister Ulrich Scholten kann sehr gut tanzen. Stimmungsschlager wie „Komm, hol das Lasso raus“ oder „Schenk mir heute nacht dein ganzes Herz“ lieferten den Rhythmus, bei dem auch ein OB mit muss. „Der Hüftschwung unseres Oberbürgermeisters war schon beeindruckend“, lobte Obermöhne Elli Schott. Dennoch gaben die Möhnen Scholten beim Tanzwettkampf keine Chance. Wenn es um die Eroberung der Stadtschlüssel geht, verstehen die Tollitäten und ihr Narrenvolk keinen Spaß.

Um 11.41 Uhr war der OB seine Stadtschlüssel los. Seine Entmachtung und anschließende Dienstverpflichtung als Straßenbahnschaffner nahm Scholten gelassen. „Ich dachte, ihr Möhnen wolltet mich verwöhnen. Stattdessen seid ihr ganz keck und meine Stadtschlüssel sind weg. Jetzt muss ich arbeiten in einem neuen Revier. Ob ich das kann? Aber wenn ihr es mir zutraut, dann nix, wie ran!“ Damit er als Straßenbahnschaffner auch aufnehmen kann, wo die Fahrgäste der Schuh drückt, hängten die Möhnen Scholten einen Kummerkasten der Mülheimer Verkehrsgesellschaft um. „Die Schaffner-Uniform steht Ihnen gut. Sie könnten sofort bei der MVG anfangen“, fand Schott.

Nix wie ran ging auch die zur Möhne mutierte Bürgermeisterin Ursula Schröder, die mit ihren närrischen Hexen-Schwestern im Rücken schwungvoll durch das Bühnenprogramm auf dem Treppen-Plateau im Rathausfoyer führte.

Nicht nur die kleinen und großen Tollitäten wussten die gut 200 Närrinnen im Ratfoyer mit ihrer Tanzshow zu begeistern. Schon bevor die Karnevalsgesellschaft Wagaschei mit ihrem Kanonendonner um 11.11 Uhr den Rathaussturm eröffnet hatte, ließen sich die als Teufelsweiber, Piratinnen und Polizistinnen kostümierten Damen der Schöpfung von den auf der Rathaustreppe schunkelenden Tanzmariechen der Röhrengarde und dem blau-weißen Multitalent Thomas Straßmann und seinen Karnevalsschlagern einstimmen.

Und dann machte Stadtprinzessin Kerstin deutlich, wohin die Weiberfastnacht führen soll: „Die Männer haben nichts zu sagen. Sie brauchen wir heute nur zum Schunkeln. Wir Frauen wollen nicht arbeiten, sondern nur feiern und bützen.“

Derweil schaute Kinderprinzessin Selina schon über die Weiberfastnacht hinaus und bat das närrische Weibsvolk und sein männliches Gefolge: „Drückt uns die Daumen, damit es am Rosenmontag nicht zu stürmisch wird.

Dieser Text erschien am 24. Februar in NRZ & WAZ

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