Samstag, 25. März 2017

Vorsicht vor Irrläufern

Es gibt noch Gottvertrauen. Gestern sah ich es in der Innenstadt. Eine alte Dame mit Rollator und Einkaufstasche überquerte in aller Seelenruhe und ohne nach links oder rechts zu blicken die von der Straßenbahn und Autos befahrene Leineweberstraße. Sie tat dies nicht an dem dafür vorgesehenen Fußgängerübergang, sondern einfach auf halber Höhe.

Wahrscheinlich hat die gute Frau nicht nur Gottvertrauen und Schutzengel im Gepäck, sondern auch die unerschütterliche Zuversicht, dass die anderen Verkehrsteilnehmer schon aufpassen und rechtzeitig bremsen werden. So kann man die kleine und für sich sprechende Szene zumindest positiv betrachten.

Natürlich kann man es auch so sehen, dass Alter nicht vor Dummheit schützt und zuweilen auch mit dreistem Egoismus einhergeht. Und dann müssen eben noch jene Mitmenschen guten Willens und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte für die Irrläufer mitdenken, damit es am Ende nicht zu einem großen Unglück kommt. Man sieht es nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch im diplomatischen Verkehr der Weltpolitik, in dem so mancher Irrläufer unterwegs ist und ohne Rücksicht auf Verluste rote Ampeln und Linien überschreitet und überfährt. 


Dieser Text erschien am 20. März 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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