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Früchte statt Früchtchen

Gestern fiel mir ein Aufkleber der Linken ins Auge. Ausgerechnet am Ampelmast vor der SPD-Zentrale des Gerd-Müller-Hauses an der Auerstraße hatte die linke Konkurrenz der sozialdemokratischen Genossen eine Putzfrau en miniature plakatiert, die in kraftmeierischer Pose ihre Muskeln spielen lässt und fordert: „Arsch hoch gegen Rechtspopulisten!“ Zugegeben, ein starker Spruch und ein starkes Bild, dessen Platzierung offensichtlich Programm ist. Was will uns das sagen?

 Mir sagt es, dass wir genug Sprücheklopfer haben. Doch wenn ich mit offenen Augen und Ohren durch unsere Stadt gehe und viel zu viele halt- und ziellose Menschen sehe und höre, die abgehängt und ohne Lebensperspektive links oder rechts liegen gelassen werden, dann fällt mir die biblische Mahnung ein: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ Man sieht: Es ist keine neue, aber dennoch aktuelle Erkenntnis, dass wir mehr Arbeiter im Weinberg brauchen  und weniger lautstarke Früchtchen, die uns das Paradies auf Erden versprechen, aber tatsächlich zu wenig dafür tun, dass wir diesem Ziel auch nur einen Schritt näherkommen. Denn am Ende des Tages lebt der Menschen eben nicht nur vom Wort allein, sondern auch vom Brot, dass er mit seiner Arbeit verdienen können muss. Denn wer die Früchte seiner Arbeit und seines Lebens genießen kann, weil er ein Stück vom Kuchen abbekommt, der kann sie auch anderen gönnen und wird deshalb den Früchtchen nicht auch den Leim gehen, die aus der Unzufriedenheit ihr trübes politisches Süppchen kochen. 

Dieser Text erschien am 26. Oktober 2019 in der NRZ

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