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Ein Lichtblick

Zuweilen hat man das Gefühl, Zeitzeuge einer allgemeinen Verblödung zu werden. Wo man früher in Bus und Bahn von Buch- und Zeitungslesern umgeben war, ist man heute von Smartphone-Guckern umzingelt. Auch als Fußgänger auf der Straße begegnet man den kurzsichtigen Smartphone-Jüngern, deren Horizont sich auf das Miniaturdisplay ihres Mobilfunkgerätes reduziert hat. Diese Mitmenschen, die sich freiwillig zu Sklaven einer kleinen Maschine gemacht haben, haben ständig die ganze Welt im Blick, aber kein Blick mehr übrig für ihre unmittelbare Umgebung und ihre leibhaftigen Mitmenschen. Deshalb kollidieren sie regelmäßig mit anderen Fußgängern oder Radfahrern und begeben sich traumtänzerisch in Lebensgefahr, wenn sie ohne einen Blick für den fließenden Verkehr Straßenkreuzungen überqueren. Seitdem sich unser Alltagsleben digitalisiert, individualisiert und mobilisiert hat, müssen die Schutzengel Überstunden kloppen. Mein persönlicher Schutzengel, der weiß, dass mir Kulturpessimismus nicht gut tut, führte mich jetzt zu einer von Karl-Ziegler-Schülern moderierten Veranstaltung der Lit.Ruhr, bei der sie den Jugendbuchautor Dirk Reinhardt und sein Buch „Über die Berge und über das Meer“ so professionell, anschaulich und einfühlsam präsentierten, dass mir klar wurde: „Wenn du denkst: Es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtblick her.“ Schön, dass es solche Lichtblicke gibt, die dem Kulturpessimisten in uns die Leviten lesen und uns hoffen lassen, dass der Untergang des Abendlandes noch auf sich warten lässt oder vielleicht sogar ausfällt.


Dieser Text erschien am 12. Oktober 2019 in der NRZ 

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