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Ein Vorreiter in Sachen Inklusion

VBGS. Das steht in Mülheim seit 30 Jahren für Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport. Vor dem Jubiläumsfest, das am Samstag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Harbecke-Halle an der Mintarder Straße gefeiert wird, berichtet der VBGS-Vorsitzende Alfred Beyer, der den Verein am 8. November 1989 mit 39 anderen Mülheimern im Haus des Sportes gegründet hat, warum der Verein für ihn zur Lebensaufgabe geworden ist.
In Mülheim gibt es mehr als 300 gemeinnützige Vereine. Was ist das besondere am VBGS?
Beyer:
Unseren Verein, der heute rund 160 Mitglieder hat, gibt es erst seit 30 Jahren. Aber schon vor 30 Jahren haben wir inklusiv gearbeitet und alle unsere Angebote auf Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Zuwanderungshintergrund ausgerichtet, als noch niemand von Inklusion gesprochen hat.
Was verbirgt sich hinter der Kombination aus Bewegungsförderung und Gesundheitssport?
Beyer:
Viele kommen über Ihren Arzt, ihre Krankenkasse, über das Gesundheitsamt oder auch über das sozialpädiatrische Zentrum am Evangelischen Krankenhaus zu uns, weil sie keine sportlichen Vorerfahrungen haben und aus gesundheitlichen Gründen langsam und ohne Leistungsdruck an Sport und Bewegung herangeführt werden müssen. Das gilt für unsere Kinderschwimmgruppen im Südbad und im Schulbad an der Rembergstraße ebenso wie für unsere Diabetikergruppe in der Sporthallle an der Waldorfschule.
Werden die Gäste der VBGS-Geburtstagsfeier auch etwas von Inklusion zu sehen bekommen?
Beyer:
Wir haben den Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner im Tischtennis, Rainer Schmidt als Moderator gewinnen können. Außerdem wird eine artistisch ambitionierte Tanzgarde aus dem Rheinland, eine Rollstuhltanzgruppe und weitere inklusive Tanzgruppe auftreten. Ich freue mich aber auch auf das Interview mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die berichten wird, wie ihre Kinderin unserem Verein schwimmen gelernt haben.
Warum haben Sie den VBGS vor 30 Jahren ins Leben gerufen und sind bis heute seine treibende Kraft?
Beyer:
Ich bin in der Jugendarbeit des Kolpingwerkes groß geworden, ehe ich durch meine Beinamputation zum Behindertensport kam, der damals in Mülheim noch unter dem Begriff Versehrtensport betrieben wurde. Dort habe ich schnell die Leitung einer Gruppe übernommen und bin dann als Jugendwart auch in den Vereinsvorstand gewählt worden. Doch bald kam es mit den älteren Vereinsmitgliedern, die noch aus der Generation der Kriegsversehrten stammten, darüber zum Bruch, wie intensiv die Jugendarbeit des Vereins betrieben werden sollte und ob sich der Verein auch für Menschen mit geistiger Behinderung öffnen sollte. Jugendarbeit und Inklusion waren damals die Herzensanliegen der VBGS-Gründer. Zu den ersten Aktionen des neuen Vereins gehörte eine integrative Ski-Freizeit im Allgäu, an der nicht nur behinderte und nicht-behinderte, sondern auch krebskranke Kinder und Jugendliche teilnahmen.
Wie hat sich die Vereinsarbeit in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Beyer:
Leider haben die bürokratischen Auflagen und der zunehmende Papierkrieg die ehrenamtliche Arbeit nicht nur in unserem Verein erheblich erschwert. Und auch wenn wir über das Centrum für bürgerschaftliches Engagement, zu dessen Gründern ich gehöre, dankenswerterweise immer wieder freiwillige Helfer bekommen, hat die Bereitschaft, sich mittel- und langfristig im Vereinsvorstand zu engagieren, drastisch abgenommen. Das sehe ich ebenso mit Sorge wie die Tatsache, dass die die Generation Smartphone immer mehr Kinder und Jugendliche mit Bewegungs- und Kommunikationsdefiziten hervorbringt.

Programm des Festes

Am Samstag, 26. Oktober, beginnt um 19 Uhr die große Festveranstaltung in der Harbecke-Halle, Mintarder Straße.  Schimherrin ist die Staatssekretärin des Landes NRW für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz.
Die Gäste erwartet ein abwechslungsreiches Abendprogramm. Moderator ist Kabarettist udn mehrfacher Paralympic-Sieger im Tischtennis, Rainer Schmidt. Auftreten werden unter anderem das Tanzkorps "Dürscheder Mellsäck", die inklusive Musikband "Studio 13" aus Dortmund, die Tanzgruppe "Flotte Socke" aus Essen, die "Cheerleader" aus Duisburg,, die "Feller Band" aus Mülheim, ein Musikzug aus Oberhausen, der RC Sturmvogel aus Mülheim, außerdem wird ein Rollstuhltanz gezeigt. Für das leibliche Wohl ist während der Veranstaltung auch gesorgt.

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