Sonntag, 2. Juli 2017

Wie stark schmerzen die konfessionellen Unterschiede 500 Jahre nach der Reformation? - Eine Diskusssion in der Katholischen Akademie

Auf dem Podium in der Katholischen Akademie:
Akademiedozent Jens Oboth, der Religionssoziologe Detlef Polack,
der Politikwisschenschaftler Andreas Püttmann und
Weihbischof Wilhelm Zimmermann.
Schmerzen die Wunden der Kirchenspaltung noch, 500 Jahre nach der Reformation und fast 400 Jahre nach dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges? Man muss diese Frage wohl mit Ja beantworten, wenn man eine Veranstaltung der Katholischen Akademie besucht hat, bei der sich 50 interessierte Christen mit eben dieser Frage auseinandersetzten.

“Wir sind 50 Jahre miteinander verheiratet, ohne ein einziges Mal gemeinsam zum Abendmahl oder zur Eucharistie gegangen zu sein”, berichtet ein Ehepaar, er Protestant, sie Katholikin. Für einen evangelischen Mann steht mit Blick auf den Abendmahlsstreit fest: “Mit den Theologen kommen wir nicht weiter. Wir brauchen christliche Gastfreundschaft, die darauf verzichtet Unterschiede einzuebnen.”

Eine in Ehren ergraute katholische Christin meint: “Ich bin über die konfessionellen Streitigkeiten alt geworden. Dabei wissen beide Kirchen, dass es Ämter und Sakramente geben muss und die Kirchen nicht zum Selbstzweck werden dürfen, sondern gemeinsam die Botschaft des Jesus von Nazareth: Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Solidarität in dieser Welt verkünden und vertreten müssen.”

Für sie steht fest, “dass es den Kirchen bei der Betonung konfessioneller Unterschiede allein um ihre Macht und Pfründe geht.” Das wollen der evangelische Religionspädagoge Detlef Pollack von der Universität Münster, der katholische Politikwissenschaftler und Autor Andreas Püttmann, der den Pflichtzölibat katholischer Priester verteidigt, und der Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann nicht gelten lassen. Dabei hatten auch sie in der Podiumsdiskussion mit dem Akademiedozenten Jens Oboth zugestanden, dass evangelische und katholische Christen heute mehr verbindet als trennt und das die Weltgemeinschaft die Christen eher als Einheit, denn als Glaubensgemeinschaft unterschiedlicher Konfessionen betrachtet.

Jens Oboth zitiert den Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung, wonach die christlichen Konfessionen nur noch für ein Fünftel der Deutschen von Bedeutung seien. Gemeinsamer Religionsunterricht und ökumenische Gottesdienste, gemeinsame soziale Projekte. Alles kein Problem. Doch als das Publikum die Ökumene jetzt fordert, rudern die Podiumsteilnehmer zurück und berufen sich auf gewachsene Traditionen und die Unterschiede im Amts- und Abendmahlverständnis. Da dürfte so mancher ökumenisch bewegter Christ, der in den Zeiten der bröckelnden Volkskirchen auf einen Reformimpuls gehofft hatte, enttäuscht nach Hause gegangen sein.

Dieser Text erschien am 24. Juni 2017 im Neuen Ruhrwort

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