Mittwoch, 19. Juli 2017

Ein Zeitsprung auf der Schleuseninsel: Wo heute Ausflügler parken, stand früher ein Pionier-Denkmal

Zeitgenössische Postkarte aus dem Stadtarchiv
Dort, wo heute Ausflügler auf der Schleuseninsel, gleich gegenüber des Wasserbahnhofes, ihre Autos parken, wurde vor 80 Jahren ein Pionier-Denkmal enthüllt. Die Ansichtskarte aus dem Stadtarchiv zeigt es. Das Denkmal, das nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand, war Ausdruck seiner Zeit, der Nazi-Zeit. Die von dem Berliner Bildhauer, Professor Liebmann, geschaffene Soldatenskulptur sollte an die gefallenen Pioniere des Ersten Weltkrieges erinnern. Wenn wir den Soldaten mit Stahlhelm, Gewehr und Panzerfaust rückblickend betrachten, erscheint er uns als beklemmender Vorbote des Zeiten Weltkrieges. Dieser sollte zwei Jahre nach der Enthüllung des Mülheimer Pionier-Mahnmals mit dem deutschen Überfall auf Polen beginnen und 60 Millionen Menschenleben kosten. Schon der Erste Weltkrieg hatte 17 Millionen Menschenleben gefordert.

Vor diesem Hintergrund klingt die Schlagzeile, mit der die Mülheimer Zeitung am 6. September 1937, über die am Vortag enthüllte Skulptur berichtete, geradezu grausam: „Niemals stirbt der Toten Tatenruhm.“ Doch am 5. September 1937 meinte Mülheim, Grund zum Feiern zu haben. 2000 Poniere kamen an diesem Tag in die Stadt. Es wurde das Deutschlandlied gesungen. Mülheims NSDAP-Chef Carl Camphausen und Oberbürgermeister Edwin Hasenjaeger legten Kränze nieder und beschworen das ehrende Gedenken der Gefallenen. Unter dem Jubel der Massen verlas der Verbandsführer der rheinisch-westfälischen Pioniere, Hauptmann Ignee ein Telegramm an Adolf Hitler, in dem ihm für den Wiederaufbau der Wehrmacht gedankt wurde.

Dieser Text erschien in der Neuen Ruhr Zeitung am 19. Juli 2017

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