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Vom Klassenzimmer in den Ratssaal: Sechstklässler der Karl-Ziegler-Schüler debattierten über das Für und Wider des Schwimmens in der Ruhr: Die Entscheidung fiel ihnen am schwersten

Bürgermeisterin Margarete Wietelmann eröffnete und leitete die
Schülerratssitzung zum Thema Schwimmen in der Ruhr - Ja oder Nein?
Soll man in der Ruhr schwimmen dürfen oder nicht? Die Frage, die die Ratsmitglieder noch nicht beantwortet haben, haben 60 Sechstklässler der Karl-Ziegler-Schule gestern bei einem parlamentarischen Planspiel denkbar knapp, nämlich bei Stimmengleichheit abgelehnt.

„Wenn ein Antrag keine Mehrheit bekommen hat, ist er abgelehnt und kann erst nach sechs Monaten erneut beraten werden“, klärte Annette Lostermann-DeNil die Nachwuchsparlamentarier auf. Die Frau, die die „außerordentliche“ Ratssitzung in Sachen Ruhr zusammen mit Bürgermeisterin Margarete Wietelmann und ihren Politik-Lehrer-Kollegen Felix Schwechten leitete, weiß Bescheid. Sie saß viele Jahre für die Grünen im Rat der Stadt.

Die Karl-Ziegler-Schüler gingen gut vorbereitet in ihre Ratssitzung. Praktisch und theoretisch, etwa durch eine Ruhr-Exkursion, hatten sie sich zusammen mit Stefanie Krohn vom Haus Ruhrnatur und mit ihren Lehrer Felix Schwechten (Politik) und Christoph Levering (Biologie) mit dem Für und Wider einer öffentlichen Badestelle an der Ruhr auseinandergesetzt.

Das schlug sich in einer differenzierten Debatte mit vielen Argumenten nieder. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten, die auch der Mikrofonanlage des Ratssaales geschuldet waren, kamen die jungen Stadtverordneten in Diskussionslaune. „Wenn die Bürger in der Ruhr schwimmen wollen, werden sie das ohnehin tun. Dann ist es doch besser, eine öffentliche und durch Schwimmmeister und Rettungsschwimmer gesicherte Badestelle einzurichten, die mit ihren Eintrittsgeldern auch die Stadtkasse füllen könnte“, brachten die Befürworter vor. „Eine öffentliche Badestelle an der Ruhr würde dort zu mehr Müll führen und nicht nur die Umwelt, sondern auch die dort lebenden und brütenden Vögel vertreiben. Außerdem würde der Ausbau einer Badestelle und die Anstellung von Schwimmmeistern die Stadt Geld kosten, das die Stadt nicht hat“, hielten die Gegner dagegen.

Manche Nachwuchsparlamentarier gaben angesichts der profunden Argumente offen zu: „Ich bin unentschieden, ob ich nun für oder gegen das Schwimmen in der Ruhr stimmen soll.“
Die Karl-Ziegler Schüler Jan Lucca Löcken, Judith Beekes, Nicolas Zayko und Rafael Zayko waren sich einig; „Das miteinander Diskutieren hat Spaß gemacht. Aber am Ende eine gute Entscheidung zu treffen, war gar nicht so leicht.“ Vor dem Hintergrund ihrer parlamentarischen Erfahrung schreckten alle vier aus ihrer heutigen Sicht davor zurück, später vielleicht selbst mal kommunalpolitisch aktiv zu werden. Judit Beekes  sprach für ihre drei Mitschüler, als sie feststellte: „Ich kann ganz gut diskutieren. Aber ich bin auch schüchtern und hätte Angst davor eine Entscheidung zu treffen, die sich vielleicht als falsch herausstellen könnte.“ Bürgermeisterin Wietelmann war davon begeistert, „wie sachlich die Schüler miteinander diskutiert haben und das sie bei all ihren Überlegungen immer auch die finanziellen Aspekte ihrer Entscheidung im Auge hatten.“ „Für die Schüler ist Kommunalpolitik ein Stück greifbarer geworden“, freute sich Lehrer Felix Schwechten. Und sein Kollege Christoph Levenig fand: „Sie haben begriffen, dass Biologie und Umwelt einen politische Dimension haben.“

Bewährte Zusammenarbeit: Nicht nur die Karl-Ziegler-Schule, sondern auch die Luisenschule und die Willy-Brandt-Schule kooperieren seit drei Jahren mit dem Haus Ruhrnatur und seiner Mitarbeiterin Stefanie Krohn in Sachen Umweltbildung.
Das 1992 auf der Schleuseninsel betriebene Haus Ruhrnatur wird vom regionalen Wasserversorger RWW betrieben.

Dieser Text erschien am 12. April 2018 in NRZ & WAZ

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